Neuausgabe der deutschen Erstausgabe. Aus dem Französischen von Friedrich Ramhorst. Neu herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Peter Hillebrand. Bevor Alexandre Dumas mit "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" weit über Frankreich hinaus berühmt wurde, hatte er 1843 "Georges" geschrieben, einen Roman, in dem er im Stil seiner Abenteuerromane von Rassismus und Sklaverei in einer französischen Kolonie erzählt. Der Roman ist heute - selbst in Frankreich - fast in Vergessenheit geraten, wie auch den wenigsten Lesern bekannt ist, dass Dumas selbst afrikanische Vorfahren hat. Sein 1762 in Saint-Domingue (heute Haiti) geborener Vater entstammte der Beziehung zwischen einem französischen Adligen und einer dort lebenden afrikanischen Sklavin, die er sich gekauft hatte. Dumas war zeitlebens stolz auf seine afrikanische Abstammung und insbesondere auf seinen Vater, der ein berühmter General im französischen Revolutionsheer war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2021
Rezensent Andreas Platthaus findet Alexandre Dumas' Roman von 1843 sympathisch. Ihm gefällt die Veröffentlichung in der alten Übersetzung von 1890, auch wenn darin noch von "Negern" die Rede ist. "Flott" liest sich der Text um einen aus Rachegründen in seine Heimat Mauritius zurückgekehrten Plantagenbesitzersohn laut Platthaus nicht zuletzt wegen der darin ausgeführten "dramatischen" Liebesgeschichte. Dennoch: Platthaus überzeugt der Roman eher als kulturgeschichtliches Dokument denn aus ästhetischen Gründen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2020
Rezensent Willi Winkler kann nicht glauben, dass dieser Roman von Alexandre Dumas schon fast 180 Jahre zählt. Jubelnd preist er die "kaum aufgefrischte" Übersetzung von 1890 als authentisch und stürzt sich in den vom Mulatten Dumas inszenierten Rachefeldzug eines auf Mauritius aufgewachsenen mulattischen Pflanzersohnes gegen die weißen Besatzer. Die Kolportage mit üblen Schurken, süßer Liebe und exotischen Abenteuern macht ihm großen Spaß, auch da das Gute "so gründlich" siegt. Besser konnte das vielleicht nur Karl May, meint er.
Rezensent Hans Christoph Buch empfiehlt die Neuausgabe von Alexandre Dumas' Erstlingsroman "Georges" gerade in Zeiten der Rassismus-Debatte. Denn Dumas erzählt ihm hier die als "Mantel- und Degen-Roman" verpackte Geschichte seines Vaters, der als Sohn einer Sklavin und eines Kolonialherren im heutigen Haiti geboren wurde, später als Generalherr am Ägyptenfeldzug teilnahm und nach eine Schiffbruch bei Neapel in ein Verließ gesperrt wurde, ohne dass Napoleon sich weiter darumm kümmerte, resümiert der Kritiker. Die vielen Gesichter des Rassismus lernt Buch hier kennen. Dass Wörter wie "Neger" und "Mulatte" in der hervorragend kommentierten Neuausgabe nicht ersetzt wurden, erscheint dem Kritiker richtig.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper liest den Text von Alexandre Dumas in der für ihn durchaus standhaltenden Übersetzung von 1890 als den politischsten Roman des Autors. Wie Dumas hier mit Anleihen aus seiner eigenen Herkunftsgeschichte die Geschichte eines Sklavenaufstands im frühen 19. Jahrhundert auf Mauritius erzählt, erscheint Wüllemkemper als persönliche Abrechnung mit der kolonialen Machtdynamik, der auf die Bigotterie im Umgang mit Sklavenhandel und Menschenrechten abhebt, aber auch die Ambivalenz des Kreolen Dumas bei der Thematik zeigt. Die Anmerkungen des Herausgebers Peter Hillebrand findet der Rezesnent aufschlussreich.
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