Mit zahlreichen Abbildungen. Honolds Studie zeichnet ein gänzlich neuartiges Hölderlin-Bild, indem sie dessen Poetik unter dem Leitkonzept des Kalenders rekonstruiert. Es erweist sich, dass Hölderlins Dichten und Denken grundiert vom Rhythmus der Gestirne ist, von den Zeit-Figuren der Planeten- und Sonnenbahn wie vom regelmäßigen Jahresband der Sternbilder. Auch den neu erfundenen Kalender der Französischen Revolution, die Zeitrechnung nach Jahreszeiten und revolutionären Ereignissen, hat er aufgenommen und poetisch in die deutsche Kultur übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2006
Faszinierend findet Manfred Koch diese kulturgeschichtlicher Studie von Alexander Honold, die das astronomische, meteorologische und kalendarische Wissen beleuchtet, das hinter Hölderlins Beschwörung von Gestirnen, "exzentrischen Bahnen", Wendepunkten des Jahres, von Feiertagen und ausgezeichneten Tageszeiten steht. Koch berichtet über die französische Kalenderreform von 1793, die Beobachtern wie Hölderlin die Periodisierung des Jahres als Werk menschlicher Kultur nahe brachte. Er würdigt vor allem Honolds Interpretationen wichtiger Hölderlin-Werke. Sie zeigten nicht nur, wie die Natur hier Daten und Schicksale der Geschichte zeichenhaft darbiete, sondern verdeutlichten auch den Sinn dieser Verknüpfung. Nach Honold gehe es Hölderlin darum, unser geschichtliches Leben in ein natürliches Geschehen zurückzubinden. Plausibel erscheint Koch auch Honolds Darstellung Hölderlins Kalenderpoetik als einer Kritik der modernen "Kosmos-Vergessenheit".
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