In der aktuellen Flüchtlingsdebatte stellt sich immer dringlicher die Frage nach einem neuen Gesellschaftsvertrag. Dabei sind insbesondere drei Aspekte zu berücksichtigen: erstens die politische Durchsetzung von Menschenrechten als eine moderne Errungenschaft der Geschichte; zweitens die soziale Unterfütterung dieses rechtlichen Schutzes durch uralte kulturelle Werte wie Empathie und Solidarität, und drittens ein Kanon von Regeln des fairen und respektvollen Zusammenlebens unter Einheimischen und Zugewanderten. Für diesen Kanon, der jenseits kultureller Differenzen als gemeinsame Verpflichtung anerkannt wird, schlägt Aleida Assmann den Begriff der "Menschenpflichten" vor, deren fünftausendjährige Geschichte sie rekonstruiert und für die Gegenwart aktualisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2018
Isabell Trommer nimmt den auf eine Vorlesung zurückgehenden Band der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann als sinnvolle Anregung. Assmanns Aufruf zu einem neuen Gesellschaftsvertrag, der Deutsche wie Zuwanderer einschließt, zur Besinnung auf Tugenden wie Empathie und Respekt im Sinne eines friedlichen Miteinanders, den die Autorin mit weit ausholender Perspektive bis in die ägyptischen Weisheitslehren stützt, wie Trommer erklärt, mangelt es laut Rezensentin allerdings an begrifflicher Schärfe. Wie sich Weisheit, Tugend, Pflicht unterscheiden, vermag ihr Assmann nicht auseinanderzusetzen. Einige Exkurse scheinen Trommer dagegen zu weitläufig für so ein schmales Buch.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…