Europas neue Herausforderung
Seit der Zuspitzung der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 beherrschen die Themen Migration, Flüchtlingspolitik und Asylrecht die politische Agenda in Deutschland und Europa. Die EU steht vor einer Zerreißprobe. Doch die Krise kündigte sich schon seit längerem an. Der Historiker und Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz fügt der aktuellen Diskussion eine zeithistorische Dimension hinzu. Er zeigt, wie die Konstruktionsfehler des Schengen-Raums und des EU-Flüchtlingsrechts die heutige Situation ermöglicht haben - und wie eine ziellose Politik des Improvisierens und Durchwurstelns sowie die Auflösungserscheinungen der Europäischen Union sie weiter verschärfen. Pointiert wie präzise analysiert Schwarz die Probleme dieser Jahrhundertaufgabe und entwirft fünf Leitlinien für einen neuen Kurs der Flüchtlingspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2017
Die Flüchtlingskrise von 2015, als die Bundesregierung einige Wochen lang die Flüchtlinge fast ungehindert nach Deutschland ließ, um den Druck zu mindern, ist für viele eher konservativ gestimmte Menschen ein stark nachwirkendes Trauma. Dass die Grenzen längst wieder geschlossen sind, trägt kaum zu seiner Heilung bei. Sehr positiv bespricht Wolfgang Taus den Band von Hans-Peter Schwarz über die "neue Völkerwanderung", der "willkommensfreudige Wohlfahrtsstaaten" wie Deutschland womöglich nicht gewachsen seien. Auch dass das Ausländerrecht zum Teil von der EU koordiniert wird, die von "überkommenen Wertvorstellungen" offenbar nicht ablassen wolle, stört Taus mit Schwarz. Wie Schwarz befürwortet Taus darum eine wesentlich restriktivere Handhabung der Flüchtlingsfrage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017
Rezensent Georg Paul Hefty findet das Buch von Hans-Peter Schwarz anregend. An Schwarz kann Hefty sich reiben, wenn der Autor angesichts einer neuen "Völkerwanderung nach Europa" den Hauptfehler im EU-Flüchtlingsrecht erkennen will. Wie sich Schwarz eine rationale statt ideelle Verhandlung des Flüchtlingsrechts durch Nationalstaaten vorstellt, kann sich Hefty nicht vorstellen. Dass der Autor zwar zu einer Verschärfung der Asylregelungen rät, jedoch keine politischen und rechtlichen Empfehlungen gibt, über die sich streiten ließe, findet Hefty außerdem bedauerlich. Stark findet der Rezensent hingegen die detailreichen wie umsichtigen Darlegungen des weltpolitischen Geschehens durch den Autor.
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