Christian Lehnert

Cherubinischer Staub

Gedichte
Cover: Cherubinischer Staub
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518428191
Gebunden, 112 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Ausgehend von zweizeiligen Verknappungen bis an den Rand des Schweigens, über Sonett, Ode und Terzine bis hin zu vielgestaltig ausgreifenden Poemen sendet diese Dichtung experimentelle Sonden ins Unbekannte.  Mehrfach begibt sich der Dichter in ein "Wörterbuch der natürlichen Erscheinungen". Darin öffnen sich ihm Welt und Signatur von Schnee und Frost, Moos und Laub. Zu Sprache werden ihm Federgeistchen, Feuerkäfer, Fliegen und Falken. Ebenso versteht er sich später auf die Rede der Fichten und Buchen. Schließlich geht es um menschliches Schicksal, um mythische wie historisch-reale Stoffe. Hier verbindet er Polaritäten wie den Baal von Palmyra und die Todeserfahrung des Obersten Lehnert im Zweiten Weltkrieg.
Lehnerts Dichtung speist sich aus der deutschen Mystik. Von Jacob Böhme und Angelus Silesius übernimmt er die  doppelbödig-eindringliche, Spiritualität und Physis verbindende Rede. In Lehnerts Gedichten ereignet sich, im vielbeschworenen Zeitalter des Digitalen, eine Wiederauferstehung analogen Denkens - und hier haben die Gedichte auch ihren widerständigen Ort in der Gegenwart: als Behauptungen von "Sinn" in den Erscheinungen, als Näherungen an eine letztlich unsagbare Mitte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2019

Rezensent Jörg Magenau findet Christian Lehnerts Versuch, in seinen Gedichten Sprache und Religiosität zu verbinden, immer dann lesenswert, wenn der Autor das Kirchlich-Christliche nicht zu stark akzentuiert. Als Feier der Natur, der Schöpfung begriffen, erhält die Sprache laut Magenau eine rare Intensität. Ob der Autor assoziativ die Stille ergründet, biblische Geschichten oder einen kostbaren Moment festhält, die alltägliche Epiphanie in Bäumen, Tieren oder Schnee, immer erkennt Magenau darin etwas "angenehm Unmodernes", da Lehnert mit strenger Formensprache arbeitet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.10.2018

Rezensent Eberhard Geisler findet, dass Christian Lehnert das Kunststück, mit einem Rückgriff auf die religiöse Dichtung Lyrik von höchster Aktualität zu erschaffen, hervorragend geglückt ist. Die Anleihen bei dem Barockdichter Angelus Silesius beispielsweise führen laut Geisler nicht zu einem altertümelnden Abklatsch, sondern werden durch gekonnte thematische Verschiebungen aktualisiert, so der Rezensent. Auf diese Weise käme Lehnert mit seiner Sammlung von kurzen Epigrammen und erzählender Dichtung zurück zu einer Innigkeit, die der deutschen Lyrik in Geislers Augen gerade sehr gut tut.

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