Uwe Kolbe

Heimliche Feste

Gedichte
Cover: Heimliche Feste
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518419533
Gebunden, 102 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Goethes römische Verse, die im Titel des neuen Gedichtbuches von Uwe Kolbe berufen werden, sind nicht Portal und Programm, aber doch mehr als eine geheimnisvolle Tapetentür in ein Buch, das sich an wohlgewählten "Orten" ereignet, an denen der Mythos noch aufscheint. Zunächst auf den Wassern von Rhein und Neckar, doch ein Hölderlinschwung trägt den Dichter weiter, nach Thrakien. Auf dem Fuße folgen scheinbar ungebundene Verse, und doch sind gerade sie Gedichte der Liebe, an Orten, die der Romantik zuwinken. Aber erst auf der letzten Station findet sich wahre, wirkliche Heimat: "In Büchern, in Preußen". Hier liegt der Ursprung: Preußens, ja, der Welt. Wie in den früheren Lyrik-Bänden verbindet Uwe Kolbe seine neuen Gedichte leichthändig und kunstvoll zu einem fest gefügten Zyklus von Versen. Ein melancholischer Grundton des Verlusts, der zum Pathos hinüberschwingt, nimmt den Leser mit auf eine Rundreise.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2008

Fast sieht sie ihn im Olymp deutscher Dichter. Sandra Richter fehlt zur Glorifizierung Uwe Kolbes bloß noch ein Quäntchen mehr Beat, mehr Polemik in dessen Texten. Wenn Kolbe hier antritt, den Ursprung der Dichtung zu suchen, folgt ihm die Rezensentin gespannt, sieht Impulse von Stefan George und Thomas Kling verarbeitet (in einer Polemik gegen Raoul Schrott) und schaut respektvoll zu, wie der Autor die Balance probiert zwischen Pathos und Ironie. Dabei entgeht Richter nicht, dass Kolbes Schreiben hier einmal mehr über Räume eingeleitet wird und dass ein gut Teil der Gedichte Kolbes Band "Ortvoll" entstammt und der Dichter sich also ein wenig selbst kanonisiert. Anders als bei "Ortvoll" empfindet Richter die Texte als auf mentale Orte bezogene, poetologische Reflexionen in kraftvollem Ton, die auch vor Brüchen und neuen Verbindungen, wie etwa zum George-Kreis und dessen Skepsis gegenüber aller Erlebnislyrik, nicht zurückschrecken. Dass Kolbe George'sches Pathos beatlyrisch-sarkastisch erdet, macht den Band der Rezensentin sympathisch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2008

Als "Dichter des Unterwegsseins" bewundert Rezensent Michael Braun den Lyriker Uwe Kolbe, der auch in seinem neuen Gedichtband "Heimliche Feste" einen "romantischen Vagabunden" seine ferne Geliebte besingen lasse. Der Titel des Bandes ist Goethes "Römischen Elegien" entlehnt, aber Rezensent Braun hat auch andere romantische Vorbilder in den Gedichten aufscheinen gespürt, wobei ihm besonders imponiert, wie Kolbe ihre Melodien mit seiner eigenen "kolloquialen Leichtigkeit" konterkariert. Sehr intensiv, berückend gar findet er die Gedichte, in denen Kolbe Heinrich Heines volksliedhafte Klänge mit seinen eigenen nüchternen Gesängen aus der "tristen postindustriellen Wirklichkeit" zusammentreffen lässt. Besonders schön findet er "Emphase und Ernüchterung" in dem Gedicht "Istok 2" in der Schwebe gehalten: "Aus dem Nein gurgelt Ja..."