Bei jedem Buch, jedem Theaterstück, jedem Essay kann der Leser das Unerwartete erwarten. Jede Lektüre bedeutet den Vorschlag zu einer Neuentdeckung der Welt, der Innenwelt und der Außenwelt wie der Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt, jede Veröffentlichung überrascht, verschlägt den Atem, selbst dem geübten Handke-Leser, jede Publikation schlägt Umwege ins Zentrum neuer Erfahrungen ein, jede überkommene literarische Form wird durch erprobt und zugleich erweitert, und das in Titelformulierungen, die inzwischen Eingang in die alltägliche Sprache gefunden haben: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter, Der kurze Brief zum langen Abschied, Langsame Heimkehr, Mein Jahr in der Niemandsbucht, Untertagblues…
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.10.2018
Arno Widmann hat sich verliebt in die hübschen Leinenbände der Handke-Ausgabe. Noch hat er sie nicht gelesen, erklärt uns nur, wie sehr er sich freut auf und auch ängstigt vor der Lektüre. Freude auf 366 Stunden Lektüre, da der Autor Geschichte erzählt, Zusammenhänge und Widersprüche, wie Widmann erläutert, weil er das Transzendentale an den Rändern, den Nicht-Orten sucht und findet. Angst, weil auch das Zurückschrecken droht angesichts von Handkes Engagement für Milosevic, meint Widmann. In jedem Fall, meint Widmann, kann sich der Leser von Handkes Prosa und Theatertexten, Gedanken und Interventionen darüber klar werden, wann die Anschauung, wann das Gedachte Vorrang hat, in Handkes Literatur wie in unserer Geschichte, so der Rezensent.
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