Albert Ehrenstein

Räuber und Soldaten

"Die Räuber vom Liang-Schan-Moor" frei erzählt nach dem alten Chinesischen. Roman
Cover: Räuber und Soldaten
Friedenauer Presse, Berlin 2024
ISBN 9783751880107
Gebunden, 267 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wu Sung verlässt als junger Mann sein gutes Elternhaus, wo es mit den "Sternen und Wissenschaften" kaum ein Auskommen gibt. Eines Nachts schlägt er, trunken und furchtlos, einen menschenfressenden Tiger mit bloßen Händen tot. Mit einem Schlag wird er also berühmt und zum Offizier befördert. Der ungeschliffene, aber ehrliche Mann nutzt seine unversehens erlangte Macht, um Gerechtigkeit zu schaffen, wo er Unrecht sieht, um gegen korrupte Beamte, gierige Bonzen und intrigante Kupplerinnen vorzugehen, und nicht zuletzt, um den jähen Tod seiner armen Eltern und den Mord an seinem Bruder zu rächen. Auf diesem abenteuerlichen Weg ist er nie um eine List verlegen noch zimperlich. Am Ende gehen Wahn, Rausch, Traum und Wachen ineinander über, und der raue Held findet zu einer gleichsam buddhistischen Aussöhnung mit der Welt. 
Albert Ehrenstein war einer der wichtigsten Vertreter des literarischen Expressionismus. Nach der großen Enttäuschung über das Scheitern der Revolution und der Bildung einer deutschen Räterepublik wandte er sich hoffnungsvoll der chinesischen Literatur zu, deren Stimmen für ihn nicht etwa Pfirsichblütenduft, sondern Auflehnung gegen Unterdrückung sowie Rebellion gegen die ausbeuterische Obrigkeit bedeuteten. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2024

Fast hundert Jahre nach dem ersten Erscheinen legt die Friedenauer Presse diesen Roman des Expressionisten Albert Ehrenstein neu auf, dessen groben Handlungsrahmen dieser von einem chinesischen Epos aus dem 13. Jahrhundert entnommen hat, wie Rezensent Tilman Spreckelsen verrät. Die Handlung spinnt sich um den Protagonisten Wu Sung, Sohn eines erfolgreichen Beamten - und ziemlicher Säufer, erfahren wir. Im Suff erschlägt er einen Tiger, wird kurzfristig zum Helden und dann doch beinahe vergiftet. All das erzählt Ehrenstein mit expressionistischer Wucht und ohne die Missstände der chinesischen Version zu verschweigen, lobt der Kritiker. Für ihn ist diese Neuausgabe willkommener Anlass, diesen zu Unrecht vergessenen Schriftsteller wiederzuentdecken.

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