Alan Hollinghurst

Der Hirtenstern

Roman
Cover: Der Hirtenstern
Albino Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783863003319
Gebunden, 624 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Bartholomae. Mit Anfang dreißig entflieht der verhinderte Schriftsteller Edward Manners der Orientierungslosigkeit seines Daseins in der südostenglischen Provinz, um im belgischen Brügge als Privatlehrer zu arbeiten. Bereitwillig lässt er sich vom modrigen Charme der altehrwürdigen Handelsstadt in den Bann ziehen, erkundet ihre engen Gassen, zwielichtigen Kneipen und versteckten Parks, in denen schwule Männer sich zum Sex treffen. Nebenbei findet er Gefallen an den Gemälden des belgischen Symbolisten Edgard Orst. Und er verliebt sich in seinen Schüler Luc. Seine rückhaltlose Bewunderung nimmt bald schon obsessive Züge an. Als Edwards Gefühlsleben endgültig zum Abbild der hysterischen Entrücktheit der Orst-Gemälde zu werden droht, erzwingt ein Todesfall seine Rückkehr nach England.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2023

Rezensent Kai Sina kann nicht nachvollziehen, dass der 1994 im Original erschienene Roman von Alan Hollinghurst, der nun auf Deutsch vorliegt, von vielen als entspanntes und tabubrechendes Buch über Männerliebe verstanden wird. Für ihn ist der Machtmissbrauch, den der Ich-Erzähler Edward Manners gegenüber seinem Nachhilfeschüler Luc betreibt "alles andere als wünschenswert". Hollinghurst konzentriere sich auf das Leiden des Begehrens seiner Hauptfigur, die so belesen und reflektiert dargestellt werde, dass das "Böse" dieses Mannes in den Hintergrund tritt. Wie der Autor mit Wahrnehmungsmustern spiele sei zwar "genial", was die Botschaft angeht, handele es sich aber um ein "tückisch erzähltes Meisterwerk", resümiert Sina. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.07.2022

Rezensent Marko Martin ist dem kleinen Albino-Verlag dankbar, dass er Alan Hollinghurts vergessenen Roman "Der Hirtenstern" aus dem Jahr 1994 nun in einer exzellenten Übersetzung von Joachim Bartholomae herausgegeben hat. Nicht weniger als ein "veritables Meisterwerk" hält der Kritiker in den Händen - und einen Roman, der an Frische nichts eingebüßt hat, wie er versichert. Martin folgt hier dem Englisch-Nachhilfelehrer Edward durch Museen, die "dämmrigen Gassen" und Kanalwege einer flämische Kleinstadt, erlebt wie dieser sich in einen jungen Nachhilfeschüler verliebt, der wiederum mit seinen Freunden gewettet hatte, ob er den Älteren rumkriegt. Erotik ohne "Schwulst und Schmacht" findet der Rezensent hier vor, darüber hinaus facettenreich gezeichnete Figuren voller Widersprüche, Witz sowie kunstfertige Schilderungen der mitunter rätselhaften Kleinstadt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.06.2022

Rezensent Gustav Seibt empfiehlt den zweiten Roman von Alan Hollinghurst aus dem Jahr 1994 in deutscher Übersetzung, für Seibt alles andere als ein Nebenwerk des Autors. Meisterlich scheinen ihm Hollinghursts unzeitgemäße Darstellung homosexuellen Begehrens und derber Erotik, die auf ihn noch immer neu und frisch wirken, aber auch der Plot um einen englischen Dichter unterwegs als Nachhilfelehrer in Belgien. Die Geschichte enthält eine rührende Coming-of-Age-Story wie auch die Darstellung erotischer Kunstwerke und eine Minne-Schmachterei, nach der sich sogar Thomas Mann die Finger lecken würde, erklärt Seibt.

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