Aus dem Französischen von J.J. Schlegel. Sieben Jahre dauerte die Freundschaft Guiberts mit Vincent. Sie begann, als der Junge 15 Jahre alt war, und endet, als er im Drogenrausch aus dem Fenster springt. Anhand von Zitaten aus seinem Tagebuch ruft sich der Autor die gemeinsame, wechselvolle Geschichte ins Gedächtnis zurück: Was war es, das dieses ungleiche Paar so lange zusammengehalten hat? "Die Hunde", die zweite Erzählung dieses Bands, beschreibt eine ausschweifende sexuelle Fantasie. Die Fähigkeit, mit allen Finessen hoher Literatur eine derart erotische Geschichte zu erzählen, haben uns die Franzosen ganz offensichtlich voraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Nicht nur als sittenstrenger Heterosexueller wird man von den beiden Hervé Guibert-Texten schockiert sein, warnt Martin Ripkens gleich am Anfang, ohne das Skandalöse auszunutzen. Ripkens bleibt sachlich in der Besprechung der beiden Berichte, die mit jahrzehntelanger Verspätung nun auf deutsch erschienen sind. Selbst mit gutem Willen lässt sich "Verrückt nach Vincent" nicht als Liebesgeschichte lesen, wie Ripkens meint. Der Text ist vielmehr der Bericht einer Obsession, die keine Grenze mehr kennt, wie auch in "Hunde" eine "Lawine der sexuellen Raserei" losgetreten wird. Beide Texte gehen dem Verlangen nach einer Erotik nach, "die weniger die Vereinigung mit einem anderen Menschen als die Aufhebung der eigenen Person begehrt", meint Ripkens und erkennt in Guibert den erwiesenen Erben de Sades.
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