Gabriel Wolkenfelds Roman "Wir Propagandisten" entstand 2013 als literarische Reaktion auf die Verabschiedung des sogenannten Homo-Propaganda-Gesetzes in Russland. Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Deutschen, der ein Jahr lang als Sprachlehrer in Jekaterinburg Land und Leute kennenlernt und dabei die Einführung des Gesetzes vor Ort mitbekommt. Der Text zeichnet ein Porträt des Alltags jenseits des Kremls, berichtet von Wodka-Gelagen in WG-Küchen, von schwulen Hinterhof-Partys, von zaghaftem Widerstand und geflüsterten Geständnissen, aber auch von der Angst, die sie auslösen. Und immer wieder von den lichten Momenten seligen Trotzes, die stärker sind als das Poltern der Gegner: "Verdammt noch mal, denke ich, das Leben ist schön. Wir haben - auf absehbare Zeit zumindest - nur dieses eine.
Als dieser autobiografisch grundierte Roman des in Berlin geborenen Autors Gabriel Wolkenfeld vor acht Jahren erschien, ging er unter, glücklicherweise hat der Albino-Verlag ihn erneut veröffentlicht, meint Rezensent Marko Martin. Denn das Buch, in dem Wolkenfeld, der selbst als junger deutscher Sprachlehrer in Jekaterinburg tätig war, erhält mit Blick auf den russischen Krieg in der Ukraine neue Aktualität, hält der Kritiker fest. Wolkenfeld erzählt, wie sich das vor zehn Jahren in Russland beschlossene Gesetz zur Kriminalisierung schwulen Lebens in Russland auswirkte, etwa indem "homophobe Sturmtruppen" Homosexuelle mit Fake-Accounts ausfindig machten, um sie dann zusammenzuschlagen. Dass das Buch zudem literarisch gelungen ist, Innen- und Außenperspektiven verdichtet und auf "westeuropäische Arroganz" verzichtet, ist für Martin ein zusätzlicher Gewinn. Er empfiehlt das Werk als "schockierend intensives" Panorama der russischen Vorkriegsgesellschaft.
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