Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. "Ich wollt', ich würd' Ägypter, wenn ich's nicht schon wär'." Mit diesem berühmten Zitat von Mustafa Kâmil, der vor hundert Jahren für die Unabhängigkeit seines Landes von den Briten eintrat, beginnen "Die Aufzeichnungen des Issâm Abdalâti" in Alaa al-Aswanis neuestem Buch. Im Mittelpunkt steht ein desillusionierter junger Mann, der für die vermeintliche Erhabenheit der Ägypter nur Hohn übrighat: In Wahrheit seien seine Landsleute feige und scheinheilig, böse und gemein, träge und gehässig. Ein intelligenter, begabter Mensch wie Issâm, der sich nicht anpassen will, ist zwangsläufig zum Außenseiterdasein verdammt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2010
Rezensent Stefan Weidner findet das ungeschönte Bild von Ägypten, die freundliche, zugleich bitter-kritische Haltung der ägyptischen Gesellschaft gegenüber, wie sie in den frühen Erzählungen des späteren Erfolgsautors Alaa al-Aswani zutage tritt, die Lektüre wert. An der literarischen Qualität der hier versammelten Kurzgeschichten zweifelt Weidner allerdings ganz unverhohlen. Mit ihrem suchenden Ton, ihren abrupten Richtungswechseln wirken sie auf ihn mitunter wie Fingerübungen. Seine Themen Doppelmoral, Deklassierung, Armut usw. bringt der Autor laut Weidner allzu oft bloß als naturgetreue Kopie der Realität in Stellung. Von seinem Vorbild Jussuf Idris scheint ihm Alaa al-Aswani in manchen dieser Texten jedenfalls noch weit entfernt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2009
Freudig begrüßt Rezensentin Angela Schader diesen Band mit frühen Erzählungen Alaa al-Aswanis. Sie würdigt den ägyptischen Schriftsteller als "erfolgreichsten Gegenwartsautor" im arabischen Raum. Die vorliegenden Erzählungen müssen ihres Erachtens den Vergleich mit seinem berühmten Roman "Der Jakubijan-Bau" nicht scheuen. Besonders hebt sie die Erzählung um Issam Abdalati hervor, den der Autor eine grandiose Schmährede gegen Ägypten halten lässt und zugleich als überheblichen Intellektuellen zeichnet, der an der "Galle seiner Arroganz" ertrinkt. Bei aller Bissigkeit, mit der der Autor auch in den übrigen Texten Korruption, Vetternwirtschaft, Heuchelei und Selbstsucht in seinem Land geißelt, unterscheidet er sich nach Ansicht von Schader ganz erheblich von der Figur des Issam Abdalati, sieht sie bei ihm doch eine "menschliche Klugheit" am Werk, die sich nicht hinter "intellektuellen Attitüden" verschanze, sondern sich im unverstellten Umgang mit Menschen zeige.
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