Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Am Ende muss die Büffelkuh verkauft werden, die lange Jahre die Familie üppig mit Milch versorgt und das Schöpfrad gedreht hat. Nun hat sie sich das Bein gebrochen und ist nicht mehr zu gebrauchen. Ähnlich scheint es den Mitgliedern der Runde, den Brüdern der mystischen Gemeinschaft, zu gehen, die ein Leben miteinander geteilt haben. Am Schluss des Buches ist ihre Zeit abgelaufen: die Zeit, als sich die Männer allabendlich in Hagg Karîms Gästehaus einfanden. Die Zeit, als der feste Glaube an das Wirken des Heiligen, des Sajjid Achmad Badawi, das Leben meistern half. Die Zeit, als die Wärme der Gemeinschaft die Existenz jedes einzelnen bereicherte. Die Zeit, als der Weltblick sich auf Dorf und Provinzhauptstadt begrenzte. Die Zeit schließlich, als der Vater noch beinahe vorbehaltloses Vorbild war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
In diesem 1969 zum ersten Mal erschienenen Roman schildert der ägyptische Autor Abdelhakim Kassem das Leben einer verarmten sufischen Dorfgemeinschaft aus der Perspektive des heranwachsenden Abdelasis, erklärt der zutiefst beeindruckte Rezensent Ludwig Ammann. Es sei "einzigartig", wie eindringlich Kassem den "seelischen Reichtum" des sufischen Weges dem Leser vergegenwärtige. Doch werde klar, dass dieses vom Glauben durchwirkte Leben dem Untergang geweiht ist. Die Entfremdung vollziehe sich schon beim jungen Abdelasis, der nachdem er als Schüler und Student in die Stadt gezogen ist, nur noch "hochnäsigen und besserwisserischen" Ekel vor der Armut seines Heimatortes empfindet. Wie es schließlich doch zu einer Umkehr am Sterbebett des Vaters kommt, beschreibe Kassem mit einer unvergesslichen "Aufmerksamkeit für feinste Regungen des Inneren" und, so das hingerissene Schlußwort des Rezensenten, mit "grandiosen Kadenzen" die abermals die "einzigartige Seelenkultur der Sufis" beschwört.
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