In seinem Tschernobyl-Thriller deckt Adam Higginbotham auf, wie am frühen Morgen des 26. April 1986 der Reaktor 4 des Kernkraftwerks in Tschernobyl explodierte und die schlimmste Atomkatastrophe der Geschichte auslöste. Seither gehört Tschernobyl zu den kollektiven Albträumen der Welt: eine gefährliche Technologie, die aus den Rudern läuft, die ökologische Zerbrechlichkeit und ein ebenso verlogener wie unachtsamer Staat, der nicht nur seine eigenen Bürger, sondern die gesamte Menschheit gefährdet. Wie und warum es zu der Katastrophe kam, war lange unklar. Adam Higginbotham hat zahllose Interviews mit Augenzeugen geführt, Archive durchforstet, bislang nicht veröffentlichte Briefe und Dokumente gesichtet. So bringt er Licht in die Geschichte, die bislang im Sumpf von Propaganda, Geheimhaltung und Fehlinformationen verborgen lag.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2020
Sehr instruktiv findet Rezensent Felix Ekardt diesen Report des amerikanischen Journalisten Adam Higginbotham zur großen Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Denn Higginbotham kann ihm darlegen, dass entgegen der besonders hierzulande verbreiteten Auffassung nicht eine generelle Unbeherrschbarkeit der Atomkraft zwangläufig zum Gau führte, sondern das sowjetische Missmanagement. Materialengpässe und Fehlentscheidungen haben schon bei der Errichtung des Reaktors zu gravierenden Mängeln geführt, selbst offenkundigste Misstände konnten im repressiven Klima vor Gobatschow nicht angesprochen oder kritisiert werden. Für diese Klarstellung ist Ekardt dankbar. Die positive Sicht des Autors auf die Atomenergie teilt der Rezensent trotzdem nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2019
Kerstin Holm liest Adam Higginbothams Dokumentation des Atomkatastrophe von Tschernobyl mit angehaltenem Atem. Wie in einem Drehbuch beschreibt der Autor fesselnd und minutiös den Hergang des Gaus aus Erinnerungen von Beteiligten und bietet darüber hinaus eine Geschichte der Atomkraft und der sowjetischen Atomenergie, erläutert Holm ihre Faszination. Die schiere Materialfülle und die Anschaulichkeit bei der sekundengenauen Darstellung des Dramas, scheinen Holm ebenso bemerkenswert wie der Umstand, dass im Buch auch noch Platz ist für ein einfühlsames Porträt des völlig überforderten Kraftwerksdirektors.
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