Klappentext

Auf der Grundlage der Manuskripte und Handexemplare herausgegeben und kommentiert von Sigrid Weigel, Martin Treml und Perdita Ladwig. Aby Warburg, passionierter Bilderforscher und Begründer der Ikonologie als eigenständiger Disziplin, war für seinen Zeitgenossen Walter Benjamin ganz der grandseigneurale Gelehrte. Heute gibt es kaum ein Feld der Kunstwissenschaften, das durch ihn nicht maßgeblich geprägt wäre, und kaum eine kulturwissenschaftliche Debatte, die nicht entscheidende Impulse aus seinen Schriften erhielte. Warburg überschreitet disziplinäre Grenzen und entwickelt ein besonderes Interesse an Figuren des Übergangs, der Inversion und Konversion, die er als Seismographen der eigenen Epoche nutzt. Wenn das Erkenntnispotential seiner Schriften dennoch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft ist, so mag das an seinem ausgeprägten Spezialistentum liegen, vor allem aber daran, dass viele wichtige Texte nicht oder nur in geglätteten Editionen zugänglich sind. Der Band bietet daher Warburgs wichtigste Texte in einer kommentierten Ausgabe, für die erstmals sämtliche fremdsprachigen Zitate übersetzt wurden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.12.2010

Der Name des Kunsthistorikers Aby Warburg genießt mittlerweile weithin Bekanntheit, stellt Martin Warnke fest, doch steht dieser Ruhm noch in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Verbreitung seiner Schriften. Da kommt ihm diese Ausgabe von verschiedenen Aufsätzen und Vorlesungen Warburgs recht, die er trotz der fast tausend Seiten und eines stolzen Preises von 68 Euro "handlich" nennt. Allerdings hätte er sich gewünscht, dass die Herausgeber eher Studenten und Laien als Adressaten in den Blick nehmen, als die Warburg-Forschung zu bedienen, was er daran festmacht, dass anstelle einiger wichtiger Aufsätze zum Vergleich mehrere Texte zum gleichen Thema abgedruckte. Doch nach weiterer Kritik im Einzelnen lobt er die Ausgabe im Allgemeinen als guten Einstieg in das Werk dieses "Denkarbeiters".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2010

Michael Diers erscheint dieser Band durchaus als Wagnis. Ob das Vorhaben gelingt, das an Gegenständen, Fragen und Zugängen so vielfältige und höchst umfangreiche Werk Aby Warburgs in nur einem Band vorzustellen? Schon den Nachlass der oft fragmentarischen Texte Warburgs sieht Diers als Problem. Überrascht ist er zunächst einmal angesichts der vielen bislang unbekannten Texte im Band. Erfreut stellt er sodann fest, wie sorgfältig die Herausgeber auf der Kommentar- und Anmerkungsebene und mit den Sacherläuterungen verfahren. Dies wiederum genügt freilich nur dem Einsteiger, wie Diers zu bedenken gibt. Und hier liegt die Crux des Bandes: Dass er Novizen wie Forschung gleichermaßen bedienen will. Aus wissenschaftlicher Perspektive jedoch, so Diers, fehle etwa die Berücksichtigung der umfangreichen Arbeiten früherer Warburg-Ausgaben, insbesondere die von Bing und Saxl. Dass zudem der Bilddarstellung so wenig Aufmerksamkeit zuteil wird (Abbildungen zu Warburgs Lichtbildvorträgen fehlen ganz oder sind zu klein), versteht der Rezensent hinsichtlich Warburgs eigener Gewichtung des Bildes überhaupt nicht.
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