Hans Belting

Das echte Bild

Bildfragen als Glaubensfragen
Cover: Das echte Bild
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406534607
Gebunden, 240 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Was ist ein echtes Bild? Hans Belting sucht unser Bedürfnis nach dem wahren, authentischen Bild, das wir vor allem in der Wissenschaft verlangen, zu ergründen. Er zeigt, wie sehr die europäische Geschichte der Religion bis heute unsere Bildbegriffe und unser Bilddenken bestimmt. Belting schlägt souverän den Bogen von der Spätantike bis hin zu Fernsehen und Film unserer Tage. Dabei präsentiert er dem Leser eine neue Sicht auf die Geschichte des Bildes und setzt dessen Aktualität in ein ungewohntes Licht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2005

Von "bestechender Schlichtheit" findet Valentin Groebner die Grundthese in Hans Beltings Studie, die er uns folgendermaßen zu erklären versucht: "Bilder funktionieren nur, wenn ihre Betrachter an die Echtheit dessen glauben, was da dargestellt wird" - und dies, so Groebner im Zeitalter digitaler Bildbearbeitung nicht anders als im frühen Mittelalter. Um dies zu erläutern, erzähle Belting in vier verschiedenen Essays die Geschichte der Visualisierung in Europa, von den blutigen Bilderstürmen in Byzanz, über die Darstellung des toten Christus und den Abendmahlsstreit bis zum Siegeszug von Porträt und Karikatur zur Zeit der Reformation. Viele "gut erzählte Geschichten von den Ambivalenzen und Paradoxa unserer Bildkultur" hat Groebner in diesem Buch gefunden, dass er es mit Vergnügen las und schließlich auch Beltings gelassene Überzeugung teilte, nach der wir "eine ganze Menge Bilder" aushalten und an sie auch nicht mehr und nicht weniger glauben, als unbedingt nötig.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.12.2005

Weit holt Hans Belting aus, um über die Gegenwart des Bildes medientheoretisch nachdenken zu können. Deshalb ist es, und der Rezensent Eckhard Nordhofen ist damit sehr einverstanden, mit postmodernen Thesen zur postmodernen Virtualisierung der Wirklichkeit für Belting längst nicht getan. Vielmehr wird der im "iconic turn" der Bildwissenschaften formulierte neue Kult ums Bild eingespannt in eine theologisch fundierte Bildanthropologie. Zentral ist dabei die Differenz zur monotheistischen Schriftkultur, in der die Verwechselbarkeit von Bild und Realität im nicht-ikonischen Schrift-Zeichen auf Abstand gehalten wird. Dies ändert sich - im Westen - jedoch mit Christus, also der Inkarnation des Göttlichen als Ebenbild Gottes. Zum Grundmuster des christlich inspirierten Bildverständnisses wird so das "vera icon" im Schweißtuch der Veronika, das "echte Bild" des Gottessohnes, dem nun alle Bildlichkeit nachmodelliert sein will. Hier wird die Differenz zum - theologisch fundamentalistisch orientierten - Islam sehr wichtig, der "den zweiten Medienwechsel von der Gottespräsenz im Buchstaben zur Gottespräsenz im Menschenfleisch nicht mitgemacht" hat. Der Rezensent Eckhard Nordhofen zeigt sich mit den Thesen Beltings offenkundig einverstanden und von der Gelehrsamkeit des Kunsthistorikers sehr beeindruckt. Die "aufgeklärte Idolatrie" Beltings möchte er der aktuellen Medientheorie deshalb nachdrücklich empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.10.2005

Eindrucksvoll findet Andreas Tönnesmann dieses Buch, in dem der Kunsthistoriker Hans Belting der Geschichte und dem Status des Bildes seit der Spätantike nachgeht. Dabei greife er auf ältere Forschungen zur Genese des christlichen Bildes zurück, verknüpfe diese aber mit dem Anspruch, einen anthropologisch verankerten Bildbegriff zu etablieren. Damit wolle Belting kunstgeschichtliche Erfahrung für die kulturelle Praxis der Gegenwart neu verfügbar machen. Aktuelle Probleme im Umgang mit Bildern sieht Tönnesmann vor allem in der Einleitung behandelt, wobei er einen kulturkritischen, wenn auch nicht kulturpessimistischen Impuls des Autors nicht verschweigen will. "Imposant" erscheint ihm, was Belting in den folgenden Kapiteln an Materialien erschließt, um in die höchst konfliktreiche Frühgeschichte christlicher Bildkultur einzuführen. Ausführlich widmet er sich Beltings "fesselnder Darstellung" der Genese des Christusbildes. Insgesamt würdigt Tönnesmann diese Studie als "gelehrtes, durchaus auch belehrendes Buch", das sich als Warnung vor unkontrolliertem Bildhunger und zugleich als Anleitung zu einem reflektierten Genuss der Betrachtung verstehen lasse.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Obwohl Hans Belting mit seinem Versuch, die Religionsgeschichte als Bildgeschichte zu lesen, zweifellos von dem derzeit hohen Interesse an religiösen Fragen profitiert, ist die vorliegende überarbeitete Zusammenfassung von Vorträgen und Aufsätzen der vergangenen Jahre "alles andere als ein Schnellschuss", betont Elke Buhr. In seiner "Bild-Anthropologie" fasse der Kunsthistoriker das künstlerische Bild nur als eine aktuelle Variante der menschheitsgeschichtlichen Bildproduktion auf. Mit "medienhistorischen Pointen" wie dem erfolgreichen Kampf der neuen politischen Bilder der Reformation gegen die veralteten Tafelbilder der Katholiken schafft es Belting laut Buhr immer wieder, seine Gedanken nachvollziehbar und überzeugend zu machen. Auch heutzutage verdeutlichen die Bilder ganz konkrete Wirtschafts- und Machtverhältnisse, resümiert die Rezensentin, die nur ein einziges Mal Kritik anmeldet, wenn Belting seinen weiten Bildbegriff in der Einleitung unnötigerweise "normativ einschränkt". Zum Glück würden die geschichtlichen Einzeluntersuchungen davon aber in ihrer "Präzision" nicht berührt.