Harald Szeemann (1933-2005) war einer der einflussreichsten Ausstellungsmacher der letzten Jahrzehnte. Eine ganze Generation von Kuratoren hat sich von seiner unabhängigen Ausstellungspraxis und seinen emphatischen Inszenierungen der Gegenwartskunst inspirieren lassen. Szeemanns unbeirrbares Interesse am künstlerischen Einzelweg, an starker Haltung und kraftvoller Persönlichkeit erscheint im Rückblick wie vehementer Widerspruch gegen einen Kunstbetrieb der Trends und Tendenzen. Der Band beschreibt das "Prinzip Szeemann", die Visionen eines erklärten Ausstellungskünstlers und lässt die wichtigsten Stationen seiner singulären Karriere Revue passieren - von der legendären Berner Ausstellung "When Attitudes Become Form" über die documenta 5, die großen thematischen Untersuchungen wie "Junggesellenmaschinen" und "Der Hang zum Gesamtkunstwerk", die Entdeckung der jungen osteuropäischen Szenen bis hin zu den Biennalen in Venedig, Lyon und Sevilla.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2006
Ein gelungenes Porträt eines schwer zu beschreibenden Phänomens und Lebenswerks, lobt Rezensentin Ursula Sinnreich. Bei einer so ins Subjektive und Große zielenden Person wie Harald Szeemann sei die klare chronologische Ordnung des Bandes sowie das unprätentiöse Herangehen des Autors überaus "wohltuend". Eine glückliche Hand zeige Hans-Joachim Müller insbesondere damit, dass er seinen essayistischen Texten jeweils die chronologischen Fakten voranstelle. So habe der Leser neben der Deutung und Einordnung zugleich ein Nachschlagewerk zur Hand. Hans-Joachim Müllers Darstellung zeige, dass die Bedeutung Harald Szeemanns weniger in der schieren Größe seiner Projekte liege als vielmehr in dem "Eigensinn" und der Energie seiner Person.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.02.2006
Unter einem "auktorialen" Blickwinkel, was das Werk Harald Szeemanns betrifft, und aus "persönlicher" Perspektive beschreibe Hans-Joachim Müller den Kurator, meint die durchaus zufriedene Mirja Rosenau. Müller nenne sein "Büchlein" eine "Werkbiografie", was die Rezensentin durchaus berechtigt findet, handelt es sich bei Szeemann doch um den ersten "Künstler unter den Ausstellungsmachern". Müller schaffe es, seine Ankündigung wahrzumachen und die einzelnen Lebensstationen Szeemanns zu einem Gesamtwerk zu "verweben". Dass es bei Müller auch persönlich wird und sich das Buch streckenweise wie das "Requiem auf einen Freund" liest, stört Rosenau überhaupt nicht. Schließlich bleibe Müller bei aller Empathie stets "diskursiv dicht, stilistisch satt".
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