Aus dem Russischen neu übersetzt und mit einem Nachwort von Vera Bischitzky. Ein adeliger Grundbesitzer streift über das Land. Was ihn lockt, ist nicht die Jagd, es ist die Natur, das Leben in all seinen Facetten: der junge Vasja, der von seinem Herrn geschunden wird, die Liebe zwischen Viktor und Akulina, die grausam gebrochen wird. Der "Jäger" erzählt von all den Menschen, die er sieht in diesem alten, harten Russland des 19. Jahrhunderts.
Rezensent Adam Soboczynski hält Iwan Turgenjews "Aufzeichnungen eines Jägers" für das Plädoyer eines glühenden Gegners der Leibeigenschaft: Äußerst realistisch berichte der vor 200 Jahren geborene Schriftsteller in diesem Erzählband von den Begegnungen eines Jägers mit der Landbevölkerung in seinem Revier, nur die Landschaftsbeschreibungen erinnern den beeindruckten Rezensenten daran, dass es sich nicht um eine Sozialreportage handelt. Soboczynski wundert es nicht, dass dieses Buch Turgenjew über Russland hinaus berühmt machte, denn es gehört seiner Meinung nach zu den ersten russischen Werken, die die Landbewohner voller Empathie beschreiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2018
Rezensentin Kerstin Holm freut sich über Vera Bischitzkys gelungene Neuübersetzung von Iwan Turgenjews Erzählungssammlung, Bischitzkys Nachwort und Anmerkungen findet sie hilfreich. So zäh die Dialoge bei Turgenjew mitunter sind, meint Holm, so stark seine psychologische Schilderung von Mensch und Natur in diesen Texten. Wie der Autor die Erotik des Waldes und das Schicksal der Leibeigenen erfasst, findet Holm großartig, auch wenn Turgenjew wegen dieses Buchs in die Verbannung musste.
Rezensent Tobias Schwarz ist froh, dass anlässlich von Iwan Turgenjews 200. Geburtstag nun dessen Erzählband "Aufzeichnungen eines Jägers" in der "gelungenen" Neuübersetzung von Vera Bischitzky wiederveröffentlicht wurde. Im Stil "leichtfüßig", in der Bedeutung aber "schwerwiegend", wie der Rezensent findet, können die vielen hier versammelten Begegnungen und Gespräche eines Jägers mit adeligen und bäuerlichen Landbewohnern seiner Meinung nach nämlich noch heute helfen, das Befremden über Russland abzubauen und zum Beispiel die vielen virilen Gesten Putins als Teil der Folklore zu begreifen - schließlich nehmen wir Deutschen auch in Tracht gewandete Politiker in einem Bierzelt hin, so Schwarz.
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