Gerald Murnane

Grenzbezirke

Roman
Cover: Grenzbezirke
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518225073
Gebunden, 231 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rainer G. Schmidt. Ein alter Mann zieht aus der Hauptstadt in eine entlegene Ortschaft im Grenzland, dort will er die letzten Jahre verbringen. Welche geistigen Eindrücke bleiben, fragt er, aus einem Leben, das der Betrachtung gewidmet war und dem Lesen? Die sehnsüchtige Anmutung einer dunkelhaarigen Frau? Der Familiensitz in einer kargen Landschaft? Die gelenkige Schönheit eines gewissen Rennpferdes? Die Farbigkeit durchscheinender Glasfenster? Eine Zeile Proust? Und so beginnt der Mann, im Zwielicht seiner Tage, diesen seinen Schatz zu katalogisieren, kaum ahnend, wohin sein "Bericht" ihn führen wird und welche Geheimnisse dabei ans Licht kommen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.01.2019

Richard Kämmerlings folgt dem australischen Schriftsteller Gerald Murnane auf einem von Lichtmetaphysik geprägten Erinnerungsparcours. Als Erbe Prousts erweist sich der Autor dabei für Kämmerlings, wenn er sich, inspiriert von leuchtenden Farben, achronologisch durch sein Leben memoriert. Ob das so willkürlich gemacht ist, wie es scheint, bezweifelt Kämmerlings zwar, bewundert jedoch Murnanes genaue, dichte Prosa, in der Kindheitserinnerungen, Lektüren und Personen heraufbeschworen werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2019

Angela Schader dringt in den innersten Seelenraum von Gerald Murnane vor mit diesem Buch. So fremdartig und intim ihr der Text erscheint, den sie lieber nicht als Roman bezeichnen möchte, so stark zieht er sie hinein mit Wiederholungen und Präzisierungen, mit Stille, Farbe, Licht und einem assoziierenden Fortschreiten. Kein süffiges Erzählen, sondern der Sog in eine Bildwelt, die für Schader das eigentliche Thema des Buches ist, neben Motivkreisen wie Religion, Literatur und Musik und einer darin versteckten Poetologie des Werks.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.01.2019

Rezensentin Meike Feßmann hält Gerald Murnanes "Grenzbezirke" für das Alterswerk eines prinzipientreuen Autors, der sich Zeit seines Lebens dem Reisen und den elektronischen Medien versagte, um sich ganz auf die Bildwelt in seinem Kopf konzentrieren zu können, die denn auch in diesem neuen Roman wieder Dreh- und Angelpunkt sei. Laut Kritikerin drehen sich die Beobachtungen in diesem "Bericht", wie der Autor selbst sein Buch nennt, um die Frage, wie Erlebnisse mit Bedeutung aufgeladen werden, nachdem sie jeglichem religiösen Fundament entzogen wurden. Nebenbei hat Murnane damit bedingungslos die Subjektivität gefeiert, meint die faszinierte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018

Gegen den Literaturnobelpreis für den knapp achtzigjährigen, zurückgezogen lebenden australischen Schriftsteller Gerald Murnane hätte Rezensent Jörg Magenau nichts einzuwenden. Vorerst hofft der Kritiker allerdings, dass Murnane mit seinem zweiten auf Deutsch erschienenen Roman auch hierzulande größere Bekanntheit erhält. Die Geschichte um einen Mittsechziger, der seinen Lebensbericht niederschreibt, von religiösen Erfahrungen, Glaubensverlust, Lektüren, Moral und Ästhetik erzählt, besticht zwar nicht durch die Story, dafür umso mehr durch leuchtende Details, Unschärfen und die außergewöhnliche Wahrnehmung des Erzählers, erklärt der Rezensent. Wenn Murnane seinen Text aus funkelnden Gedankenpunkten und Farbspielen zusammensetzt, dabei in "kristallklarer", von Rainer G. Schmidt glänzend übersetzter Sprache schreibt, hat der Kritiker das Gefühl, Bildern zu folgen, die sich so verhalten wie die "Atomteilchen nach der Unschärferelation Heisenbergs".
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