Engelbert Kaempfer

Engelbert Kämpfer wurde 1651 als zweiter Sohn des Pastors Johannes Kemper in Lemgo geboren. Da Deutschland nach dem 30jährigen Krieg noch völlig zerstört war, orientierte sich Kämpfer nach dem Ausland. Für seine Ausbildung wählte er einen im 17. Jahrhundert durchaus üblichen Weg, der dem eines wandernden Handwerksburschen sehr ähnlich war. Er wechselte mehrmals die Schulen. 1667 war er in Hameln, von 1668 - 1670 in Lüneburg, dann besuchte er das Gymnasium in Lübeck. Weitere Stationen waren die Gymnasien von Danzig und Thorn, die Universität in Krakau, wo er Philosophie, Sprachen und Medizin studierte (1674). 1680 (fast 30 Jahre alt) studierte er auch in Königsberg Medizin und Naturgeschichte. Hinter dem häufigen Schul- und Universitätswechsel stand sicherlich sein barocker Drang nach umfassendem Wissen. 1681 ging Kämpfer nach Schweden, wo er die Akademie in Uppsala besuchte. Er erlangte den Posten eines Sekretärs bei jener schwedischen Gesandtschaft, die im Auftrage Karls Xl. Handelsbeziehungen mit Russland und Persien anknüpfen sollte.
1684 reiste Kämpfer nach Persien und als Oberchirurg bei der Ostindienkompanie nach Bandar Abbas, wo seine grundlegende Schrift über die Dattelpalme entstand, dann weiter nach Indien und Java, wo er umfangreiches botanisches Material sammelte. 1690 wurde Kämpfer Arzt auf der streng überwachten Insel Deshima, Sitz der niederländischen Faktorei in Japan. Den Höhepunkt seines zweijährigen Aufenthaltes in Japan bilden die beiden Gesandtschaftsreisen, die die Geschäftsträger der Holländer einmal im Jahr nach Edo zum dort regierenden Shogun antreten mussten. Kämpfer ist der erste Europäer, dem es gelang, eine genaue Routenaufnahme dieser Strecke anzufertigen und sämtliche ihm wichtigen Ortschaften und Berge einzuzeichnen.
1692 verließ Kämpfer Deshima mit Ziel Batavia. 1693 erreichte er Amsterdam, wo er seine Dissertation fertig stellte, die er während der Reise angefangen hatte. 1694 kehrte er dann nach Lemgo zurück. Nach seiner Rückkehr wurde er Leibarzt beim Grafen zur Lippe in Detmold und unterhielt auf dem Steinhof in Lieme eine eigene Praxis. Im Jahre 1700 heiratete er die 16jährige Maria Sophia Wilstach. Die Ehe jedoch war unglücklich, und Kämpfer starb, entzweit mit seiner Frau, 1716, ohne dass er seine Werke hätte veröffentlichen können.
Durch seinen Tod blieb das große Lebenswerk nur Fragment. Sein Nachlass wäre sicher in alle Winde verstreut worden, hätte nicht der englische Arzt, Botaniker und Schriftsteller Sir Hans Sloane Kämpfers Manuskripte von seinen Erben aufgekauft. Kämpfers Nachlass befindet sich heute in der Britisch Library in London.
1727 erschien in London "The History of Japan", und damit begann vor allem die Publikations- und Wirkungsgeschichte von Kämpfers Japanwerk. Im 19. Jahrhundert wurde sein Name vor allem durch Philip Franz von Siebold weitergetragen.

Engelbert Kaempfer: Engelbert Kaempfer: Kritische Ausgabe in Einzelbänden. Band 1/1 und 1/2: Heutiges Japan

Cover: Engelbert Kaempfer. Engelbert Kaempfer: Kritische Ausgabe in Einzelbänden - Band 1/1 und 1/2: Heutiges Japan. Iudicium Verlag, München, 2001.
Iudicium Verlag, München 2001
Herausgegeben von Detlef Haberland, Wolfgang Michel, Elisabeth Gössmann und Barend J. Terwiel. Mit 370 Abbildungen. Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte schlummerte das deutsche Japan-Manuskript des berühmten…

Engelbert Kaempfer: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Sein Leben und seine Reise

Landesverband Lippe, Lemgo 2001
CD-Rom herausgegeben vom Landesverband Lippe und der Stadt Lemgo