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Lajos Parti Nagy: Meines Helden Platz

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03.02.2005. Natürlich ist es lästig, wenn plötzlich eine Täubin vor deiner Tür steht und sich deine Mikrowelle zum Brüten ausleihen will. Doch was, wenn plötzlich der Obertäuberich in deiner Wohnung steht, und dir zu deinem künftigen Beitrag zur Taubenweltherrschaft gratuliert? In Lajos Parti Nagys satirischer Parabel kommen Welteroberungsfanatiker zu Wort und geben dem politischen Irrsinn eine eigene Sprache. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Meines Helden Platz".
Lajos Parti Nagy: Meines Helden Platz
Roman
Aus dem Ungarischen von Terezia Mora

Luchterhand Literaturverlag, München 2005
304 Seiten, gebunden, Euro 19,90

Erscheint am 10. Februar 2005
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Weitere Informationen beim Luchterhand Literaturverlag

Lesetermin: 8. Februar, 20.00 Uhr, Literarisches Colloquim, Berlin-Wannsee, Am Sandwerder 5

Moderation: Terezia Mora

Klappentext:
Natürlich ist es lästig, wenn plötzlich eine von den Täubinnen, die kürzlich in dein Haus eingezogen sind, vor deiner Tür steht und sich deine Mikrowelle zum Brüten ausleihen will, aber man will ja die gute Nachbarschaft nicht gefährden. Natürlich ist es ein bißchen unheimlich, wenn plötzlich marodierende Taubenschlägertrupps die Straßen unsicher machen. Aber muß man sich denn in alles einmischen? Doch was, wenn plötzlich der Obertäuberich in deiner Wohnung steht, und dir zu deinem künftigen Beitrag zur Taubenweltherrschaft gratuliert? Was, wenn du eines Morgens aufwachst und bemerken mußt, daß übelriechende Hilfstauben an dir herumdoktern: Man hat dir Flügel eingepflanzt, weil du der Prototyp auf dem Weg zur Menschentaube oder zum Taubenmenschen werden sollst.
Die Schmerzen sind schlimm, aber noch viel grausamer sind der Obertäuberich und seine Gattin in ihrer Dummdreistigkeit, in ihrem ideologischen Wahn, in ihrer ständigen sexuellen Aufgekratzheit, kurz: in ihrem politischen Knallchargentum. Doch mit der Zeit findest du immer mehr Geschmack daran, im Inneren der Macht zu residieren und an den Formationsübungsflügen teilzunehmen: war Fliegenzukönnen nicht immer schon ein Menschheitstraum? Und ist der Geschmack der Macht am Ende nicht doch ein süßer?

Zum Autor:
Lajos Parti Nagy, 1953 in Szekszard, Ungarn, geboren, lebt in Budapest. 1979 bis 1986 war er Redakteur der Literaturzeitschrift Jelenkor, seitdem ist er freischaffender Schriftsteller und Übersetzer. Parti Nagy begann als Lyriker, bis er Mitte der 90er auch Erzählungen, Romane, Hörspiele und Dramen verfaßte.

Zur Übersetzerin:
Terezia Mora, 1971 in Sopron, Ungarn, geboren, lebt in Berlin. 1999 erhielt sie den "Ingeborg-Bachmann-Preis". Ihr gerade erschienener erster Roman "Alle Tage" wird - ebenso wie ihre Übersetzungen aus dem Ungarischen, z.B. Esterhazys "Harmonia Caelestis" - von der Kritik enthusiastisch gefeiert.

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