Blütenlesen Tagtigall 25.08.2022 Das Jahrbuch der Lyrik 2022 sammelt wie jedes Jahr exemplarische Gedichte der Zeit: magisch, klagend, hoffend und manchmal am Rande des Schweigens. Einige werden hier kurz vorgestellt. Von Marie Luise Knott
Fundstücke Tagtigall 02.08.2022 Warsan Shire bringt den Krieg mit nach Hause. Roger Robinson imaginiert sich ein Hosentaschenparadies, das an Heines Idee der portablen Heimat erinnert. Tania Skarynkina ahnt, wo der viele Staub im Haus herkommt: Empfehlungen zu schwarzer Lyrik und Lyrik aus Belarus. Von Marie Luise Knott
Was für ne Welt Tagtigall 13.05.2022 Vom 2. bis 7. Mai gab es in Köln das 7. Dichtertreffen der Poetica, kuratiert von Uljana Wolf. Marie Luise Knott berichtet, was geschieht, wenn Dichterinnen mit Dichtern ins Sprechen und Singen, Murmeln und Tanzen geraten - über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg. Lauter starke Stimmen waren versammelt, darunter eine Löwengewinnerin und eine Nobelpreisträgerin. Was alle eint ist der Blick auf die Menschen, die nie im Rampenlicht stehen. Von Marie Luise Knott
Ukrainische Klopfzeichen Tagtigall 06.03.2022 Wie man mit dem Krieg lebt - davon erzählen die Kriegs-Tagebücher von Yevgenia Belorusets und die Gedichte aus einer früheren Kriegszeit in der Ukraine von Serhij Zhadan. Das Foto von Yevgenia Belorusets zeigt eine ältere Frau, die "ich heute zufällig auf meiner Kamera entdeckt habe, es bedeutet mir viel. Die alten Menschen in Kiew sind so offen, stark und fürsorgend". Von Marie Luise Knott
Gleichrangig mit dem Ungesagten Tagtigall 21.12.2021 Pier Paolo Pasolini, den widerständigsten unter den Dichtern Italiens, muss man feiern, wieder und wieder. Der bei Suhrkamp rechtzeitig zum hundersten Geburtstag herausgebrachte Gedichtband "Nach meinem Tod zu veröffentlichen" ist eine Großtat und sollte auf jedem Gabentisch liegen. Von Marie Luise Knott
Wer braucht schon Gemälde Tagtigall 18.11.2021 In der Berliner Akademie der Künste gibt es derzeit eine große Ausstellung mit dem Titel "Nothingtoseeness" - eine Wortschöpfung von John Cage, allerdings nahezu unübersetzbar, wörtlich: Nichtszusehenheit, etwas freier: Vom-nichts-zu-sehen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Farbe Weiß - weiß übermalte Leinwände, das Weiße Album der Beatles, weiße Stühle, Schneebälle und vieles vieles mehr. Sehr klein, doch äußerst gegenwärtig hängen dort auch fünf Werke der japanisch-amerikanischen Konzept- und Fluxuskünstlerin Yoko Ono. Sie zeigen Yoko Ono als Dichterin. Von Marie Luise Knott
Vom Glück der Kindheit Tagtigall 14.09.2021 Jeden Morgen setzt sich die amerikanische Dichterin Mary Ruefle vor die Doppelseite eines Buchs und löscht Wörter mit Tipp-Ex aus, bis nur noch wenige sichtbar sind. Eine Meditation, von der man viel über das Lesen lernen kann. Das Schreibheft hat ihr jetzt ein Dossier gewidmet. Von Marie Luise Knott
Wir Attraktionen Tagtigall 14.04.2021 Juliane Liebert dichtet Liebe und Tod ihr eigenes Ständchen. In der Sprachgestalt dominiert die Zeit, im Rhythmus, im Sound, in der Wiederholung, im Kontrapunkt. Von Marie Luise Knott
Ein neues Lied, ein bessres Lied Tagtigall 30.03.2021 Heute erscheint Amanda Gormans "The Hill We Climb", ein Staatsakt, bei dem aus der Asche des Leids der Phönix des Lebens emporsteigt. Die deutsche Übersetzung ist dem nicht gewachsen. Von Marie Luise Knott
Die Freiheit der Einzelnen Tagtigall 12.01.2021 Die Frage, wie man oder frau "selbanders" sein kann und welche Freiheit die Sprache hervortreiben kann, durchströmt ihr gesamtes Schaffen: zum Tode von Barbara Köhler, der großen Dichterin und Künstlerin. Ein Nachruf Von Marie Luise Knott
Vom Lodern des Lebens Tagtigall 18.12.2020 Die italienische Bäuerin und Lyrikerin Roberta Dapunt schreibt in ihrem neuen Gedichtband "die krankheit wunder" über die Demenz der Bäuerin Uma. Prosa wechselt mit gebundener Sprache. Feine Beobachtungen wechseln einander ab mit Szenen der Verstörung über die jähe, so endgültig scheinende Fremdheit. Von Marie Luise Knott
mit höhlen und zickzacknähten Tagtigall 11.11.2020 "Mad Ireland hurt you into poetry", schrieb Auden über Yeats: "Narr Irland quälte dich zur Dichtung", übersetzte Ernst Jandl. Gedichte ereignen sich inmitten der Gefangenschaft unserer Tage und doch in einem Raum fernab von Politik und Gesellschaft. Wer braucht Lyrik, obwohl sie nichts bewirkt? Zwei Beobachtungen Von Marie Luise Knott