Magazinrundschau - Archiv

Kontexty

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Kontexty

Tomáš Suchomel unterhält sich mit einem großen Leoš-Janáček-Kenner, dem Musikwissenschaftler und Herausgeber von Janáčeks Werken Jiří Zahrádka. Zahrádka verwaltet unter anderem Janáčeks Nachlass und schleift an möglichst präzisen Werkeditionen - was kein ganz einfaches Unterfangen ist, denn Janáček "hinterließ sein Werk in einem ziemlich komplizierten Zustand. Seine Opern wurden zu Lebzeiten oft gar nicht in Druckform veröffentlicht, oder dann in einer Form, die nicht ganz seinen Intentionen entsprach", so Zahrádka. Manchmal habe Janáček nach einer ersten Aufführung in Brünn noch Änderungen untergebracht, dann wieder nach der Prager Uraufführung, manchmal auch unter dem Einfluss des jeweiligen Dirigenten. "Ein 'normaler' Komponist wie Bohuslav Martinů macht zu einer Oper vielleicht ein paar Seiten Anmerkungen, bei Janáček sind es unzählige Seiten, wobei es zu jeder zweiten Notiz dann auch noch widersprechende Quellen gibt." Anders als vielen seiner Vorgängern sei es Janáček nie in erster Linie um Schönheit, sondern um Wahrheit gegangen. "Eine Oper ist immer etwas Stilisiertes, im Leben singt man normalerweise nicht, man spricht. Janáček war sich dessen bewusst. Er wählte nicht nur meist realistische Geschichten, sondern vertonte auch Prosatexte, und seine Musik basierte dann auf gesprochener Sprache, auf natürlicher Sprache." Auch wenn Janáčeks Opern so eher als widerspenstig gelten und keine eingängigen Arien besitzen, legt Jiří Zahrádka sie unbedingt auch Nicht-Kennern ans Herz: "Ich behaupte, dass jeder Janáček hören kann, und für diejenigen, die keine Opernerfahrung besitzen, ist er sogar noch zugänglicher. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solche Leute, wenn sie eine Verdi-Oper besuchten, enttäuscht waren, nach einer Janáček-Oper hingegen begeistert. Diese Zuhörer haben es manchmal leichter, sie sind gewissermaßen unbelasteter und verstehen Janáčeks Sprache, seine Botschaft, ganz intuitiv."

Magazinrundschau vom 28.03.2023 - Kontexty

Ivana Ryčlová unterhält sich mit dem russischen Redakteur des aus Prag sendenden Radio Svoboda / Radio Free Europe über die Geschichte des Senders und die derzeitige Situation. Ivan Tolstoy, der seinen Sender gar nicht unbedingt als politischen, sondern durchaus als Kultursender begreift, äußert sich über die russische Bevölkerung optimistisch. Solange es Putin gebe, habe das Land zwar moralisch und politisch keine Zukunft, was aber die russische Gesellschaft an sich betreffe, habe er Hoffnung: "Wenn Putin nicht mehr da ist, wird die russische Gesellschaft sich schneller erneuern, als man denkt, und uns noch überraschen. Das ist ein Spezifikum der russischen Gesellschaft. Historisch hat sie dafür gute Voraussetzungen. Die russische Gesellschaft hat sich in der Vergangenheit wiederholt zu verändern gewusst. Sie hat sich nach Stalins Tod gewandelt, nach der Revolution, nach dem Einmarsch 1968 in die Tschechoslowakei, nach der Perestroika. Diese Prozesse verlaufen in der russischen Gesellschaft ungewöhnlich schnell. Wie Puschkin einst sagte, der russische Mensch ist sehr anpassungsfähig. (…) Die Russen sind so wie ihre Regierung. Ist es eine liberale Regierung, ist die russische Gesellschaft liberal. Ist der Regent ein Tyrann, ist die russische Gesellschaft schrecklich und grausam."