Magazinrundschau - Archiv

Indiana University ISCA Papers

1 Presseschau-Absatz

Magazinrundschau vom 11.03.2025 - Institute for the Study of Contemporary Antisemitism

Normalerweise zitieren wir keine universitären Studienpapiere - aber dieses wurde von Steven Pinker empfohlen, und darum haben wir es gelesen. Seit dem 7. Oktober werden Israel Genozidvorwürfe gemacht. Interessierte Stellen gehen so weit, die Genoziddefinitionen auszuweiten oder bei Institutionen Ausweitungen des Begriffs vorzuschlagen, damit die israelische Kriegsführung darunter fällt. Diese Technik ist keineswegs neu, zeigt Norman JW Goda in einem ausführlichen und gut belegten Text. Ähnlich erging es Israel vor der UNO schon mehrfach und besonders im Libanonkrieg Anfang der Achtziger. Besonders das Massaker von Sabra und Schatila zog Genozidvorwürfe auf sich. Christliche Milizen hatten damals in Flüchtlingslagern Hunderte wehrlose palästinensische Zivilisten umgebracht. Das Massaker hat auch in Israel zu einer Untersuchungskommission geführt, so Goda: Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass Verteidigungsminister Ariel Scharon eine indirekte Schuld trug, weil "er die Wahrscheinlichkeit, dass Rachegelüste christlicher Milizionäre zu Blutvergießen führen könnten, ignoriert und keine Maßnahmen ergriffen hatte, um dies zu verhindern". In der UNO untersuchte die MacBride-Kommission die Vorgänge und wandte auch damals schon einen "erweiterten" Genozidbegriff an, damit das israelische Verhalten hineinpasste. "Seriöse Fachzeitschriften für internationales Recht nahmen den Bericht der MacBride-Kommission nicht ernst. Anders das Milieu der Nahoststudien. Das Journal of Palestine Studies und andere Zeitschriften wie Race and Class veröffentlichten lange Auszüge aus dem 282-seitigen Bericht als 'Sonderausgabe', darunter viele der Kommentare zum Völkermordvorwurf. Angesichts der Anerkennung aus diesen Kreisen im Jahr 1983 ist es merkwürdig, dass niemand, der Israel nach 2023 des Völkermords beschuldigt, insbesondere innerhalb der UNO, den früheren 'Völkermord' Israels von 1982 anführt. Möglicherweise möchte niemand, dass darüber gesprochen wird. Denn wenn jemand die tendenziösen Debatten der Generalversammlung aus diesem Jahr lesen würde, wäre dies sowohl für die UNO als auch für diejenigen, die heute ähnliche Anschuldigungen erheben, peinlich."