In eigener Sache

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

16.12.2024. lassen Sie mich Ihnen erzählen, was Sie möglich gemacht haben: 25 Jahre Perlentaucher. Perlentaucher-Brief zu Weihnachten 2024.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

lassen Sie mich Ihnen erzählen, was Sie möglich gemacht haben: 25 Jahre Perlentaucher. Denn ohne die Unterstützung von Lesern wäre vielleicht schon Schluss gewesen. 25 Jahre: Das offizielle Gründungsdatum ist der 15. März 2000. Aber im Grunde haben wir schon 1999 angefangen. Der Perlentaucher resümiert bekanntlich die Buchkritiken der überregionalen Zeitungen. Wir wollten im Jahr 2000 nicht mit einer nackten Datenbank an den Start gehen - deshalb haben wir zuerst die Buchmessenbeilagen der großen Zeitungen im Herbst 99 ausgewertet. Unsere erste jemals verfasste Rezensionsnotiz galt Thomas Steinfelds großer FAZ-Besprechung von Michel Houellebecqs "Elementarteilchen".

Unsere Zwanzigjahrfeier fiel wegen Corona ins Wasser. Aber unsere 25 Jahre werden wir feiern - und zwar zusammen mit dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Unsere gemeinsame Idee: Wir machen eine Umfrage unter den bekanntesten deutsche Literaturkritikerinnen und -kritikern: Welches waren für Sie die fünf wichtigsten Bücher der deutschsprachigen Literatur seit 2000. Auf diese Frage antworten die Kritiker in kurzen Texten, in denen sie ihre Wahl begründen. Ab Januar 2025 werden wir die Antworten nach und nach veröffentlichen. Und am 13. März 2025, fast am Tag genau 25 Jahre nach Gründung des Perlentaucher, werden wir in Marbach die Ergebnisse dieser Umfrage diskutieren - aber nach vorne gewandt: Wohin weisen die Antworten. Welche Fragen stellen die Bücher, in welche Richtung geht sie. Denn 2025 ist der Anfang der Mitte des Jahrhunderts.

Und wie gesagt: Sie haben das möglich gemacht. Von den 500.000 Lesern, die die Seiten des Perlentaucher monatlich besuchen, den 22.000 Leserinnen, die unsere täglichen Newsletter abonnieren, haben sich etwa 2.000 entschlossen, "Mitglied" des Perlentaucher zu werden, das heißt, sie unterstützen uns mit einem freiwilligen Abo, dessen Höhe Sie selbst festlegen und das sie natürlich jederzeit kündigen können. Sie bringen uns knapp 10.000 Euro im Monat - längst nicht genug um den Perlentaucher zu betreiben. Wir leben nach wie vor vor allem von Werbung der uns so treuen Buchverlage, aber auch von Ihren Käufen in unserem Buchladen eichendorff21. Dennoch hat uns diese Unterstützung der Leser erheblich stabilisiert, ohne sie hätten wir die Corona-Zeit womöglich nicht überstanden. Und dafür sagen die Perlentaucher danke! Wenn Sie selbst sich entschließen wollen, den Perlentaucher zu unterstützen, dann klicken Sie hier zu unserem Dienstleister Steady, oder auch hier, wenn Sie lieber eine direkte Unterstützung leisten wollen.

Gegen Ende des Jahres hat sich auch nochmal gezeigt, wofür der Perlentaucher auch da ist. Die algerischen Behörden hatten den Friedenspreisträger Boualem Sansal verschwinden lassen. Nach ein paar Tagen stellte sich heraus, dass sie ihn ins Gefängnis gesteckt haben. Sie haben die berüchtigten Terrorparagrafen gegen ihn aufgefahren, die die Rechte der Angeklagten reduzieren und ihnen hohe Strafen androhen. Ich habe Boualem Sansal im Jahr 2011 kennengelernt, als er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam und ich einige Veranstaltungen mit ihm moderieren durfte. Ich habe ihn als einen sanften Menschen mit scharfem Verstand und literarischem Witz kennengelernt.

Womit hat Sansal die Behörden aufgebracht? Er hatte in einem Interview gesagt, dass Algerien durch die Kolonisierung sozusagen erst geschaffen wurde - anders als Marokko, das eine Jahrhunderte alte Identität hatte und nie kolonisiert wurde, weder von den Osmanen, noch von den Franzosen. Das reichte: Das Regime baut seine Identität auf einen Betonnationalismus, der aus den Zeiten des Betonkommunismus herrührt und sich heute mit modischen antirassistischen Diskursen ein bisschen aufbrezelt.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Perlentaucher haben einen Aufruf lanciert, den inzwischen fünf NobelpreisträgerInnen und Margaret Atwood, Anne Applebaum und Salman Rushdie unterzeichnet haben. Die Idee kam von der Grünen-Politikerin Eva Quistorp. Wir haben zuerst Herta Müller gefragt, die sofort unterzeichnet hat. Es ist wegen des pathologischen algerisch-französischen Verhältnisses wichtig, dass der Druck nicht nur aus Frankreich kommt.

Die PerlentaucherInnen sagen Ihnen danke, dass Sie auch dies möglich gemacht haben, und wünschen Ihnen ein geruhsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!

Herzlich
Thierry Chervel