Bestellen Sie bei eichendorff21!Hochaktuell ist die Ausstellung "Where the World Is Melting" im Ernst-Leitz-Museum in Wetzlar, aber auch überwältigend und warnend, versichert Marc Hoch in der SZ: Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson bereist seit vier Jahrzehnten die Arktis, hat unter anderem Grönland und dessen Schönheit fotografiert, aber er zeigt auch, was hier auf dem Spiel steht, sollten die USA, China oder Russland die Bodenschätze ausbeuten: "Nichts wird in der Arktis bleiben, wie es war, und die jahrtausendealte Kultur der Inuit, die schon seit Jahrzehnten unter Druck steht, dürfte die Rohstoffgier der Großmächte und die Folgen des Klimawandels nicht überstehen. Um diese Menschen in so eindringlicher Weise zu fotografieren, musste der Isländer erst ihr Vertrauen gewinnen - eine Aufgabe, die mindestens ebenso schwer war wie das Überstehen der Eiseskälte. Wochenlang lebte er mit ihnen in Zelten oder in kleinen Hütten auf dem Meereis, jagte mit ihnen Robben, Wale, Eisbären, spielte mit ihnen Karten, lachte mit ihnen und gewann ihr Vertrauen."
Für die NZZ besucht nun auch Susanna Petri den Neubau des wiedereröffneten Studio Museum Harlem in New York (mehr hier). Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Privathandtaschen dürfen zum Außendienst nicht mitgetragen werden" im Württembergischer Kunstverein in Stuttgart, in der die Künstlerin Dominique Hurth NS-Täterinnenschaft erforscht (taz).
Altenburger Altar, Thronende Muttergottes Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz Von einer gut 700 Jahre alten Madonna schwärmt Stefan Trinks in der FAZ. Als Herzstück des Altenberger Altars wurde sie um 1320 in einer Kölner Werkstatt gefertigt, nun wurde die Figur vom Frankfurter Städel angekauft, um den Altar wieder zu vervollständigen. Einen hohen einstelligen Millionenbetrag lässt sich das Museum die "Familienzusammenführung" kosten. Gut angelegtes Geld, findet Trinks: "Obelix würde vermutlich etwas wie 'diese Nase!' stammeln, so kleopatrahaft fein ist das Gesicht mit dem distinguierten Lächeln und dem kleinen Grübchen im Kinn geschnitten. Von den nach der Mode der Zeit gezupften Augenbrauen ist die rechte leicht erhoben, als blicke sie selbst leicht ungläubig auf die Lilie der Jungfrauengeburt in ihrer Rechten, in die auch der auf ihrem Schoß stehende Christusknabe mit der flach ausgestreckten Hand weist und die leider im Lauf der Jahrhunderte abgebrochen ist, sodass nur noch ein kurzer grüner Stummel von ihrer fein geschnitzten Hand umgriffen wird."
Das Internet wird mit banalen KI-Bildern und anderem algorithmischem Kunstmüll überschwemmt. Ein Grund zu klagen? Ganz im Gegenteil, meint Andrey Arnold in der Presse. Denn die KI orientiert sich in ihren Kreationen stets am kleinsten gemeinsamen Nenner und ist deshalb "sehr gut darin, alles herauszufiltern, was an menschengemachter Kunst nicht kreativ, nicht geistreich, nicht clever, originell oder spannend ist. (…) Anstatt sich darüber zu ärgern, dass das Netz mit artifiziellem Unrat geflutet wird, sollten sich natürliche Intelligenzen darüber freuen: Der ganze austauschbare KI-Vollholler beschreibt anschaulich, welche Wort-, Bild- und Tongepräge wir tunlichst vermeiden sollten, wenn wir wahrhaft schöpferisch sein wollen. In dieser Hinsicht sind die Programme, die den 'Slop' hervorbringen, wirklich nützliche Tools."
Außerdem: monopolgibt durch, wer welches Land auf der 61. Kunstbiennale in Venedig vertreten wird. Besprochen werden die Bodo Kampmann gewidmete Schau "Bildhauer und Goldschmied" im Städtischen Museum Braunschweig sowie eine Kampmann gewidmete Buchpublikation (taz), die Schau "Constable & Turner: Rivals & Originals" in der Londoner Tate Britain (NZZ) und "Pierre Huyghe - Liminals" in der LAS Art Foundation, Halle am Berghain, Berlin (Welt).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Gabriele Stötzer ist die erste ostdeutsche Künstlerin, die den Goslarer Kaiserring erhält. Im taz-Gespräch erzählt sie von ihren künstlerischen Anfängen in der DDR, ihrer Haft im Stasi-Gefängnis (über die sie auch ein Buch geschrieben hat) und, was sie heute so umtreibt: "Ich vermittle die Kraft der Frauen mit monumentalen Frauenbildern. Als der Krieg in der Ukraine begann, habe ich eine große Figur 'Frauenkraft' gemacht. Als es im Nahen Osten anfing, habe ich eine Figur gemacht, die heißt 'Undine kommt'. Das bezieht sich auf das Buch von Ingeborg Bachmann, 'Undine geht' von 1961, das gab es auch in der DDR. Die Urfrau verlässt die Welt der kriegerischen Männer. Jetzt dachte ich, die weibliche Urkraft muss wieder kommen und hinsehen lernen. Wir müssen die Zerstörung aushalten. So wie die Leute aushalten müssen, dass ich im Gefängnis war und darüber rede. Für die Ausstellung in Berlin habe ich 'Undine kommt und sieht' gemacht, eine unendlich schöne Frau mit Brüsten, Händen und Füßen aus Keramik. Der Rest ist aus Wolle geknüpft, was mir wichtig ist. Eine Frau, die haarige Beine und ein haariges Gesicht hat, gerade jetzt, wo den Frauen alles abrasiert wird." Die Figur wird ab März in der Ausstellung "überleben und leben" im Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 zu sehen sein.
Weitere Artikel: Die FAZ stellt die Sieger das Onewater-Fotopreises vor.
Der Maler Otto Muehl, ein Hauptakteur des Wiener Aktionismus, missbrauchte in seiner Sekte jahrelang Kinder und kam dafür auch ins Gefängnis. Sophia Coper berichtet in der FAS, wie eine Gruppe um die österreichische Juristin Maria Windhager im Auftrag von Missbrauchsopfern für einen bewussteren Umgang mit Muehls Werk kämpft. Denn viele seiner Bilder zeigen Opfer, außerdem gibt es noch die sogenannten "Aschebilder", einen Zyklus, in dem Muehl die Asche aus verbrannten Tagebüchern verarbeitete, die belastendes Material enthielten. Das Wiener Aktionismus Museum (WAM) hat zu Muehls 101. Geburtstag eine große Ausstellung geplant, so Coper. Der Leiter Klaus Albrecht Schröder möchte zwischen Kunst und Person differenzieren, es gebe aber Limits: "Dort, wo keine klare Trennung möglich sei, sieht Schröder eine Grenze überschritten. 'Ich werde definitiv keine Darstellungen von Missbrauchsopfern ausstellen', sagt er. (...)Maria Windhager und die Aktivistengruppe Mathilda indes vermuten vor allem finanzielle Beweggründe dafür, dass das Wiener Aktionismus Museum an Muehl festhält (...) 'Sie wollen die Bilder aufwerten, um sie gewinnbringend auf den Markt zu bringen', sagt Windhager." Das WAM weist die Vorwürfe zurück.
Tilman Baumgärtel staunt in der taz über eine dieses Jahr ziemlich politische Ausstellung auf dem Berliner Festival CTM, die unter dem Titel "Echoes of Tumult" im Kunstraum Kreuzberg gezeigt wird: "Da werden sogar Lippenstifte zu Kriegsgütern, wie in der Installation der Rumänin Ioana Vreme Moser. Bei ihrer Recherche zu Inhaltsstoffen von Kosmetik fand sie so viel Schwermetall in alten Schminkstiften, dass sich daraus kleine Radioempfänger bauen ließen. Im Zweiten Weltkrieg, so fand sie heraus, wurden die Drehhülsen von Kosmetika tatsächlich zu Patronenhülsen umfunktioniert. Eine Armada teils hundert Jahre alter Lippenstifte hängt nun wie ein Schwarm von Projektilen unter der Decke und krächzt historische Radiowerbung für Make-up."
Eine "geheimnisvolle Aura" umgibt die "zarten Papierarbeiten" des Schweizer Malers und Grafikers Otto Meyer-Amden, die die Berliner Galerie Buchholz ausstellt, schwärmt Tagesspiegel-Kritikerin Dorothea Zwirner. In seiner Heimat bekannt und gefeiert, ist sein Werk hier noch eher unbekannt. Ideen der frühen Moderne, die den Künstler umtrieben, prägen seine Bilder, erklärt Zwirner : "Jugend- und Männlichkeitskult, die Psychologie der Adoleszenz, Reformbewegungen in Erziehung, Kunst und Gesellschaft sowie Homosexualität." Seine "Aktfiguren erscheinen mal wie antike Epheben, mal wie archaische Kouroi, mal tänzerisch mit gekreuzten Beinen, mal porträthaft oder als abstrahierte Gliederpuppen - irgendwo zwischen Leonardo und Schlemmer. Meist sind es Bleistiftzeichnungen, verdichtet zu feinen Schraffuren oder Wischungen mit weichen Übergängen oder aufgelöst in hauchzarten Linien von fast jugendstilhaftem Schweben wie bei Beuys. Farbe bleibt die Ausnahme: ein Hauch von Tinte, Silberstift oder Aquarell."
Weiteres: Die Art Basel expandiert nach Katar, berichtet Nicolas Freund in der SZ (unser Resümee). Dlf Kulturbringt zum 40. Todestag von Joseph Beuys eine "Lange Nacht" von Berit Hempel. Besprochen werden die Ausstellung "Das Weite suchen" im Brandenburg Museum in Potsdam mit Fotografien von Tina Bara, Christiane Eisler, Christian Fenger, Anselm Graubner u.a. (FAZ, Bilder und Zeiten) und Pierre Huyghes' Installation "Liminals" in der Halle am Berliner Berghain (FAS).
Während Cezanne in Frankreich allerdings zunächst auf wenig Gegenliebe stieß, wurde er in Deutschland dank Hugo von Tschudi, Max Liebermann, Paul Cassirer - und vor allem durch den deutschen Maler Leo Marchutz bekannt, erinnert Peter Kropmans in der FAZ.
Ebenfalls in der FAZ resümiert Hubert Spiegel den Eklat um die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif, mit der die Kunstakademie Düsseldorf eine Veranstaltung geplant hatte, wogegen unter anderem die Jüdische Gemeinde Düsseldorf protestierte - auch Politiker wie Nordrhein-Westfalens Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes oder Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes, rieten der Uni, auf die Veranstaltung zu verzichten. Unter anderem hatte die Künstlerin "in ihren Beiträgen mehrfach das auf der Spitze stehende rote Dreieck verwendet, mit dem die Hamas israelische Militärziele wie etwa Panzer markiert, und bezeichne Israel konsequent als 'zionistic entity'", so Spiegel. Die Veranstaltung soll nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Besprochen werden die Ausstellung "Soft Zeros" der amerikanisch-nigerianischen Künstlerin Mimi Onuoha in der Wiener Secession (taz) und Pierre Huyghes Installation "Liminals" in der Halle am Berghain (Tsp).
Nachdenklich wandert Monopol-Kritiker Oliver Koerner von Gustorf durch die Ausstellung "Liaisons" im Georg Kolbe Museum in Berlin. Der Bildhauer Kolbe und der Fotograf Herbert List haben sich nur einmal gesehen, erklärt der Kritiker, "aber sie verbindet eine Menge. Sie lieben die klassische Antike, Italien, Michelangelo, den idealisierten Körper". Die Kombination führt zu faszinierenden Kontrasten: Herbert List zeigte klassisch schöne nackte junge Männer und "jugendliche Geilheit" in der heißen Sonne. Georg Kolbe arrangierte sich mit den Nazis, keine Wärme hier: "Da ist nur Stein, und, bro, seine 'Nazi-Beefcakes' lieben dich nicht. Sie tun nur ihre Pflicht, du Schwuli! Oder sie sprechen Code mit dir. Etwa die beiden nackten Männer, Daddy und Jüngling, die er 1934/35 für das Krieger-Ehrenmal in Stralsund in Bronze goss."
Im großen SZ-Interview erinnert sich der Maler Georg Baselitz an den Moment, als er begann, seine Bilder auf den Kopf zu stellen: "Vorher hatte ich nichts übrig für Naturähnlichkeit, Abhängigkeit, Illustrationen und dergleichen. Danach habe ich mir gesagt, jetzt kannst du alles machen. Das, was dir fremd ist, und das, was du verwerflich findest. Ich könnte jetzt sogar eine Schlacht malen. Oder unseren Ministerpräsidenten. Oh, das schreiben wir lieber nicht rein. Dann muss ich den malen. Es gibt keinen Künstler, der so angefeindet wurde wie ich." Auf die Frage, wer ihn angefeindet habe, antwortet Baselitz: "Die Demokratie." Aha.
Weiteres: Elke Linda Buchholz lässt sich für den Tagesspiegel von der Direktorin des Kunstgewerbemuseums, Sibylle Hoiman, erklären, wie sie das im Moment ziemlich erfolglose Museum auf Trab bringen möchte. Besprochen werden "Magritte. La ligne de vie" im KMSKA in Antwerpen (FAZ), Pierre Huyghes Installation "Liminals" in der Halle am Berghain (Zeit) und eine Ausstellung mit Fotografien von Thomas Hoepker "DDR/East Germany Colour Works" in der Galerie Buchkunst Berlin (taz).
Gleich zwei Wiener Kunstmessen machen dicht, lernen wir von Almuth Spiegler in der Presse und von Stefan Kobel in monopol. Besprochen werden Annie Leibovitz' Fotobuch "Women" (monopol) und die Ausstellung "Leiko Ikemura. Motherscape" in der Wiener Albertina (Standard).
John Constable: The Opening of Waterloo Bridge ('Whitehall Stairs, June 18th, 1817') Purchased with assistance from the National Heritage Memorial Fund, the Clore Foundation, the Art Fund, the Friends of the Tate Gallery and others 1987 "Unentschieden!", ruft FAZ-Kritiker Andreas Platthaus nachdem er begeistert die Ausstellung "Turner & Constable - Rivals & Originals" in der Tate Britain gesehen hat (hier mehr). Zum ersten Mal zeigt die Tate die Werke von William Turner und John Constable zusammen, die in leidenschaftlicher Konkurrenz miteinander standen. Beeindruckend treten hier die Unterschiede in der Landschaftsmalerei zu Tage, so Platthaus, während Turner zum Malen in die Ferne reiste, blieb Constable beim "Abbilden des ihm Vertrautesten". "Es gehört zu den verblüffendsten Eindrücken der Tate-Ausstellung, wie menschenleer des Malers Naturaufnahmen von 'Constable Country' (wie man das von ihm bevorzugte Stout-Areal nennt) sind. Turner dagegen schuf etliche exotisierende Antikenvisionen, die an Opulenz, Pathos und Bevölkerungsreichtum schon das vorwegnahmen, was wenig später Moreau malen sollte. So modern Turners impressionistische Farbräusche wirken, so traditionsverhaftet sind seine mythologischen Bilder, die vor allem an Claude Lorrain geschult waren."
Besprochen wird die Ausstellung "Karl Hofer. Zwischen Schönheit und Wahrheit" in der Moritzburghalle in Halle an der Saale (taz).
Die Kunstwelt in Russland entwickelt sich gerade in zwei Richtungen, hält Kerstin Holm für die FAZ fest: Alles, was an den sowjetischen Terror erinnert, wird nicht gezeigt, aber die Museen und Sammler haben in ihren Sammlungen trotzdem Zuläufe wie selten. Gezeigt wird allerdings fast nur Historisches, das sich patriotisch vereinnahmen lässt, "aktuelle Kunst hat es schwer. Soeben wurde in einem renommierten Moskauer Museum eine schon fertig gehängte Schau zeitgenössischer Werke von den Behörden verboten. Vorigen Herbst sollen vor der Eröffnung der Kunstmesse Cosmoscow zensierte Kunstwerke lastwagenweise abtransportiert worden sein. (…) Ein anderer Freund erzählt, russische Sammler kauften derzeit viel Zeitgenössisches, zeigten es aber nicht. Von Künstlern hört man, sie hätten viele Aufträge, aber keine Ausstellungen. Stattdessen leben Wohnungsausstellungen wie in der späten Sowjetunion wieder auf. Die Zensur verschärft sich rapide. Doch sollte einst ein kulturelles Tauwetter einsetzen, wird es in Russland viel Kunst zu entdecken geben."
Besprochen wird: Die Ausstellung "Möglichkeiten einer Insel. Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf" in der Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin (FAZ).
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Christoph Bartmann: Attacke von rechts Anhand internationaler Beispiele zeigt Christoph Bartmann wie Rechtspopulisten die Kulturpolitik als Kampfplatz für ihre Ideologie nutzen. Museen, Theater und Bibliotheken…
Bodo Kirchhoff: Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt Seit fünfzig Jahren sind sie verheiratet. Dann geht er weg, nach Indien. Sie reist ihm nach, besorgt und wütend. Er: Viktor Goll, genannt Vigo, Leiter einer Denkfabrik für…
Hartmut Rosa: Situation und Konstellation Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich…
Liz Moore: Der andere Arthur Aus dem Amerikanischen von Cornelius Hartz. Wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, wiegt 250 Kilo und hat…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier