Kann eine Ausstellung in der Gegenwart Kunst aus kolonialen Kontexten zeigen, ohne den nicht-weiße Menschen herabwürdigenden kolonialen Blick zu reproduzieren? An dieser Frage laboriert die Kunstwelt seit geraumer Zeit. Das Zürcher Museum Rietberg unternimmt nun in der Ausstellung "Fast ein Paradies: Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst" einen neuen Versuch, berichtet NZZ-Kritiker Dario Veréb: "Das Publikum sucht vergeblich nach Fotografien, die nackte oder in Ketten gelegte Menschen zeigen. Guyer hat sich explizit dagegen entschieden, die extremsten Zeugnisse kolonialer Gewalt aufzunehmen, aus der berechtigten Sorge, dass ihre Zurschaustellung unbewusst die historische Exotisierung und Viktimisierung der Abgebildeten fortschreiben könnte. Stattdessen zeigt die Ausstellung Fotografien, die familiäre Zugehörigkeit und Momente der Selbstbehauptung festhalten."
Auf dem Mariendorfer Industriegelände befindet sich, "ein Schatz, von dem man in Berlin kaum weiß". Und zwar in der hier untergebrachten "Artothek der Sozialen Künstlerförderung", erzählt Nicola Kuhn im Tagesspiegel. Versammelt sind hier um die 15000 Kunstwerke der vom Berliner Senat zwischen 1951 und 2003 (als Wowereit das Programm beendete) geförderten lokalen Künstler, die im Auftrag der Stadt Kunstwerke zu vorgegebenen Themen schufen: "Wer die Arbeiten heute studiert, staunt über die Qualität, Hingehuschtes wurde nicht geliefert. Da wäre das große Gemälde von Dorothy Iannone, die in bewährter Form ihren farbigen Kosmos nackter Göttinnen und wilder Pattern sprühen lässt, Ewa Partum reichte einen Dreiklang zersplitterter Schallplatten auf blauem Grund ein, Elke Lixfeld eine elfteilige abstrakte Serie auf groben Holzplatten mit dem Titel 'Essence'. Auffällig ist der große Anteil an Frauen beim Förderprogramm, insgesamt vierzig Prozent." Eine vom Landesamt für Gesundheit und Soziales gegründete Stiftung arbeitet nun unter der Leitung der Kuratorin Julia Rust von Krosigk an der Erschließung der Bestände.
Weiteres: Sabine B. Vogel berichtet in der NZZ über Erbstreitigkeiten um ein verloren geglaubtes, nun aber wiedergefundenes Klimt-Gemälde. Besprochen werden die Schau "Sven Johne, Alexandre Sladkevich, Michael Wesely: Kleiner Mann - was nun?" im Projektraum Alte Feuerwache, Berlin (BlZ) und die Ausstellung "Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus" in der Alten Nationalgalerie, Berlin (Welt).
Sozialistischer Realismus? Nicht mit Gerhard Altenbourg! Davon kann sich FAZ-Kritiker Andreas Platthaus in der Schau "Der fantastische Gerhard Altenbourg" überzeugen, die das Lindenau-Museum zum Geburtstag des Malers und Grafikers veranstaltet, der dieses Jahr hundert Jahre alt geworden wäre. In der DDR war Altenbourgs künstlerischer "Eigensinn" nicht so bliebt, im Westen dafür umso mehr: "In einem Gespräch, das der Leipziger Kunstförderer Roland Jäger im Jahr des Todes von Altenbourg mit dem Künstler geführt hat, dessen einziger bekannter Tonaufnahme, bezeichnet dieser das Resultat seiner Vorgehensweise als 'Geflecht der Farbe', die dadurch ins 'Hüpfen' komme. In der Tat: Durch die Dichte an Details und Strukturen bekommen die Motive eine organische Lebendigkeit, die die Rahmen zu sprengen scheint."
Besprochen wird die Schau "Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus" in der Alten Nationalgalerie in Berlin (NZZ).
Dem Künstler (und auch Theaterregisseur) Tadeusz Kantor hätte die Ausstellung seiner Werke unter dem Titel "Emballage, Cricotage und Madame Jarema" parallel zur Biennale in den Procuratie Vecchie mit ihrem "konzertierten Spektakel" gefallen, ist sich Stefan Trinks in der FAZ sicher. Kantors Werk wird gemeinsam mit dem von Maria Jarema gezeigt, mit der er lange zusammengearbeitet hat: "Die scharfgratig silbriggraue Stahlskulptur im Durchgangsbereich, die er noch im polnischen Untergrund des Zweiten Weltkriegs schweißte, changiert als überlebensgroßes Vexierbild zwischen anthropomorpher Guillotine und Harfe. Vielfach erscheinen Saiteninstrumente wie Violinen in Kantors Kunst, am markantesten im großen Saal, wo auf einem Hochformat ein Geiger in Fehlfarben wie bei Chagall sein einsam Liedlein fiedelt, während hinter ihm eine Kirche abbrennt - ein wiederkehrendes Motiv des bei Kriegsende Dreißigjährigen, der alle Schrecknisse der Jahre 1939 bis 1945 mit eigenen Augen durchsehen musste." Er war Existenzialist und Surrealist zugleich: "In allen Bildern wartet Kantor, ein Zeitgenosse von Samuel Beckett, Ionesco und den anderen Existenzialisten, auf Godot. Als Einziger von diesen allerdings weist er eine empathische Sensibilität für die feinsten Nuancen des Menschseins auf."
Weiteres: Hannes Hintermeier schreibt für die FAZ den Nachruf auf die österreichische Fotografin Elfie Semotan, der es in ihrer Modefotografie immer vor allem um die Menschen ging, die diese Mode tragen. Gustav Klimt steht weiterhin vor Gericht, wie Ursula Scheer in der FAZ weiß, die Restitution des "Bildnis Fräulein Lieser" ist immer noch nicht abgeschlossen.
"Einn fast unübersehbares Experimentierfeld" ist das Werk des amerikanischen Malers Jasper Johns, das Hans-Joachim Müller für die Welt in der großen Retrospektive im Guggenheim Bilbao bewundern kann: "Es ist durchaus verführerisch, im 'Flaggen'-Motiv eine ironische Anspielung auf die nationale Rolle des abstrakten Expressionismus zu vermuten, der im Kalten Krieg kulturelle Frontdienste leisten sollte. Zumal Johns ja immer nur das US-Symbol gemalt hat und nie zum Flaggentausch bereit war. Keine Trikolore, kein Schwarz-Rot-Gold. Aber wenn man dann zusieht, wie der Maler aus der 'Flagge auf orangenem Feld' die drei Farben 'yellow, red, blue' destilliert und sie wie auf einer blühenden Wiese verteilt, dann ist man sich doch sicher, dass das Motiv über den Anspielungsverdacht hinaus vor allem dazu dient, unendliche malerische Möglichkeiten zu eröffnen."
In den "Giftschrank der Geschichte" kann Tagesspiegel-Kritikerin Birgit Rieger im Schaudepot in der Zitadelle Spandau greifen. Dort lagern nämlich "Toxische Kulturgüter", also Kunst zum Beispiel aus der NS-Zeit oder der DDR, die man irgendwann von den Straßen entfernen ließ. Die Berliner Künstler Simone Zaugg und Pfelder mit Amer Al Akel wurden eingeladen, sich mit dieser problematischen Kunst auseinanderzusetzen und tun das in der Ausstellung "Zeitfelder - Time Fields" auf ihre ganz eigene Weise, berichtet Rieger, indem sie die Denkmäler kurzerhand in Hochbeeten vergraben: "Die Pflanzen im Beet wie Eibe, Eisenhut und Thuja sind allesamt giftig, manches blüht, was in den dunkel-feuchten Kellern nicht selbstverständlich ist. In der Erde liegen zwei Marmorköpfe aus der NS-Zeit sowie eine Büste von Adolf Hitler, die 2023 gefunden worden ist (...) Man darf alles betasten. Wenn man dann in der Ausstellung - von den Künstlern ermuntert - den Finger ins Beet steckt, spürt man dicht unter der Oberfläche etwas Hartes. Vermutlich Hitlers Marmorschädel, sehen kann man ihn nicht. Tastend erkundet man die Topografie. Die ungewohnte körperlich-sinnliche Begegnung mit der deutschen Geschichte und ihrem schlimmsten Massenmörder löst unterschiedlichste Assoziationen aus. Was bleibt, ist Schmutz unterm Fingernagel und ein starkes Unbehagen."
Weitere Artikel: Nach langem juristischem Streit hatte das Georg-Kolbe-Museum den "Tänzerinnenbrunnen" an die ursprünglichen Erben zurückgegeben (unser Resümee). "Nun ist der Brunnen für 4,98 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) versteigert worden", berichtet Marcus Woeller in der Welt: "Ob der Brunnen womöglich als Dauerleihgabe im Garten des Museums bleiben darf, wird die Zukunft zeigen. Dort wäre er wohl gut aufgehoben, denn die kunsthistorische Erschließung des Werks ist längst nicht abgeschlossen."
Vergnügt läuft Jonathan Jones (Guardian) durchs Somerset House in London, das M.C. Escher derzeit eine fulminante Ausstellung widmet. Hier ist nicht nur der Witz und das Vermögen des Niederländers, unsere Wahrnehmung auf den Kopf zu stellen, zu bewundern, freut sich Jones. Zu erkennen ist auch, wer Escher künstlerisch prägte: "Er beweist schnell, dass er der geduldigste und bescheidenste aller Beobachter ist. In einer frühen Zeichnung stellt er einen Frosch auf einem Seerosenblatt bei Nacht dar und erkennt bereits, wie die Natur geheimnisvolle Geometrien erschafft: Kreisförmige Blätter ziehen sich auf der Wasseroberfläche zurück, während sich der Mond als weiße Scheibe im Wasser spiegelt. Ein solch präzises Auge reiht ihn in eine lange Tradition niederländischer Künstler ein: Wenn er sich selbst in einer Glaskugel reflektiert darstellt, sein Zimmer verzerrt wie ein zusammengedrückter Gummiball, denkt er sicherlich an den konvexen Spiegel in Jan van Eycks 'Arnolfini-Porträt'."
In der Welt ärgert sich Marcus Woeller: Mehr als 70 Künstler, darunter Florentina Holzinger, Yto Barrada oder Lubaina Himid, boykottieren in einem offenen Brief an die Biennale-Leitung ihre Teilnahme an der Preisverleihung durch die Besucher, Präsident Pietrangelo Buttafuoco hielt es bisher offenbar nicht für nötig zu reagieren. Was für eine Anmaßung der Künstler, so Woeller: "Die Künstler offenbaren eine Haltung, die nur als Kontrollgeste zu verstehen ist. Nachdem zunächst Aktivisten und dann die Jury den ästhetischen Wettbewerb politisch vorab konditionieren wollten, versuchen nun die Künstler selbst, auch noch die Besucher zu disziplinieren. (...) In ihrem Brief schreiben die Künstler, sie hätten 'grundsätzlich nichts gegen die Idee, Besucher über Preise abstimmen zu lassen'. Die Einführung der Publikumspreise lenke aber von der Rücktrittserklärung der Jury ab und widerspreche dem Verfahren, dem sie bei der Annahme der Einladung zugestimmt hätten: 'Damit wollen wir nichts zu tun haben.' Tatsächlich sprechen sie damit den Besuchern implizit die Fähigkeit ab, eine freie ästhetische Wahl jenseits der politischen Aufladung der Biennale zu treffen. Ebenso unerfreulich handelt die Biennale-Leitung, wenn sie die Künstler als Absender dieses Briefs schlicht ghostet."
Weitere Artikel: Nicola Kuhn und Mario Heller besuchen für den Tagesspiegel die Berliner Malerin Elvira Bach, der das Neue Kunstmuseum Tübingen zum Fünfundsiebzigsten eine Ausstellung widmet.
Jon Rafman, Main Stream Media Network, 2025, Video still, Courtesy the artist und Sprüth Magers Amüsant, gruselig und doch "betörend" findet Boris Pofalla in der Welt die erste Werkschau des Kanadiers Jon Rafman in der Kunsthalle Nordrhein-Westfalen. An der Seite des Künstlers begegnet Pofalla verlorenen Seelen auf Serverfarmen, lugt in versiffte Gamerzimmer und staunt, wie der Künstler alles, was das Bildschirmzeitalter bisher hervorgebracht hat, zu Kunst macht, mittels Videoinstallationen oder Gemälde, etwa in der Serie "ebrah k'dabri": "Umgangssprachlich ist die hebräische Formel als 'Abrakadabra' bekannt und bedeutet sinngemäß: 'Ich erschaffe durch das Wort' oder 'Ich erschaffe, wie ich spreche'. Es sind auf die Leinwände aufgedruckte Darstellungen von Menschen in extremen Situationen. Geschmolzene Visagen. Unwahrscheinliche Körper. Es sind wirklich interessante Bilder, geschaffen mit Prompts, also mit Worten. Aus der Maschine so etwas an sich Unzureichendes herauszuholen, war vor ein paar Jahren einfach möglich. Heute, sagt Rafman, ist die Bilderstellung viel zu ausgefuchst, um derart krude Darstellungen auszugeben, man müsste sie sozusagen künstlich wieder verdummen."
Und auch Philipp Meier (NZZ) wird in eine andere Welt katapultiert, wenn ihm in der Pierre-Huyghe-Schau in der Fondation Beyeler in Baselatmende fötale Gebilde in Glaskästen oder sich über den Boden windende "milchig weiße" Regenwürmer begegnen. Dabei spielt Huyghe stets mit unserer für "Unheimlich-Lebendiges begabten Vorstellungskraft", etwa in der Arbeit Videoarbeit "Human Mask" von 2014, die uns in eine seit Fukushima verlassene japanische Kneipe führt, in der ein Wesen mit Mädchenmaske umherirrt: "Es tappt in die Küche, wo in verrotteten Nahrungsmitteln Insektenlarven gedeihen. Es hockt auf Tatami-Matten, schreckt manchmal auf durch ein fernes Grollen. Von draußen hört man den blechern hallenden Singsang einer weiblichen Lautsprecherstimme auf Japanisch, die in dem radioaktiv verseuchten Sperrgebiet Warnhinweise durchgibt. Aus der dunklen Schuluniform des maskierten Wesens kommen pelzige Ärmchen und Beinchen zum Vorschein. Man wird gewahr, dass die Kreatur ein verkleideter Affe ist. Für die 19-minütige Videoarbeit drehte Pierre Huyghe mit dem dressiertenMakaken-ÄffchenFuku-chan, das in einer Sake-Kneipe im Norden Tokios als Servierfräulein mit Perücke und Nō-artiger Maske die Gäste bediente."
Ein vollständiges Panorama frühsowjetischer Avantgardekunst bietet die Sammlung von George Costakis zwar nicht, dafür umso mehr Überraschungen aus der Bandbreite der Avantgarde von 1910 bis 1930, staunt Bernhard Schulz (taz) in der Ausstellung "The Avant-Garde World" in der Athener Nationalgalerie. Etwa den "hierzulande unbekannten Solomon Nikritin, dessen Werk erstaunlich genug fast immer figurativ blieb, aber alles andere als naturalistisch oder gar heroisch. Seine 'Schreiende Frau' und vor allem die monochrome 'Trinkende Frau', beide von 1928, sind denkbar weit entfernt von den zunehmenden Vorgaben der kommunistischen Partei. Aber das gilt ebenso für die wie ein Puzzle zergliederte Malerei von Pawel Filonow, etwa den 'Kopf' von 1926."
"Renoir und die Liebe" und "Renoir-Zeichnungen" heißen zwei Ausstellungen, die sich im Pariser Musée d'Orsay derzeit dem Werk des Impressionisten Pierre-Auguste Renoir widmen. Peter Kropmanns empfiehlt in der NZZ selbst Renoir-Skeptikern den Besuch. Denn "unter den Gemälden zum Thema Liebe sind weder Kitsch noch erotische Szenen zu verstehen. Es geht vielmehr um die Darstellung sanfter Bande zwischen einzelnen Figuren im weitesten Sinn. Eine gewisse Zärtlichkeit scheint da auf. Mit großer Empathie hat sich Renoir den Dargestellten genähert und diese in ihrer Verfassung zur Geltung gebracht, ohne ins Sentimentale zu driften. Seine Männer wirken sympathisch, seine Frauen sind weder Vamp noch Aschenputtel: Tatsächlicher oder vermeintlicher Kampf der Geschlechter scheint dem Künstler fremd. Im Gegenteil: Renoir beschwört ein Ideal des Miteinanders herauf, zelebriert die Harmonie der Gleichstellung."
Außerdem: Maurizio Cattelans Banane sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Die mit einem Stück Klebeband an der Wand befestigte Frucht - "Comedian" nennt sich das Kunstwerk - wurde, wie Marcus Woeller in der Welt mitteilt, aus dem Centre Pompidou in Metz gestohlen. Derselbe Autor porträtiert für dasselbe Medium den Fotografen Martin Schoeller. Stefan Lehmann schreibt in der FAZ über zwei anonyme Bronzepferde im Berliner Olympiapark.
Inge Wunderlich: "Die Iranerin", 1974. Foto: MdBK Leipzig. Im taz-Interview erklärtJenny Graser, Kuratorin am Museum der bildenden Künste Leipzig, unter welchen Prämissen sie den "Bilderkosmos", die Sammlung moderner und Gegenwartskunst, neu gestaltet hat. Was die gezeigte DDR Kunst betrifft, sei es ihr darum gegangen, "die Denkweise aufzubrechen, dass die Zeit der DDR heute nichts mehr mit uns zu tun hat": "Ich glaube, dass man nicht alles explizit kommentieren muss, sondern dass die Kunst selbst ganz viel erzählt. Das geht auch über Epochen hindurch. Am liebsten würde ich in den Raum mit Arbeiterbildnissen aus der DDR noch ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert hängen, weil die Ikonografie da schon angelegt ist. Stattdessen habe ich Portraitfotos von Rineke Dijkstra ergänzt, die im Jahr 2000 Auszubildende in Leipzig fotografiert hat. Es ist ein chronologischer Rundgang, aber es gibt immer wieder Sprünge in der Zeit, nach vorn oder auch zurück, um thematische oder formale Verbindungslinien zwischen den Jahrzehnten aufzuzeigen."
Besprochen werden die Ausstellung "Renoir et l'amour - La modernité heureuse (1865-1885)" im Musée d'Orsay in Paris (NZZ), das Kunstfestival "Various Others - Contemporary Art Munich" in München (tsp) und die Ausstelllung "singuhr XXX - 30 Jahre Klangkunst" im silent green in Berlin (taz).
Edgar Degas: Le Souper au bal. Public Domain, Quelle: Wikimedia.
Im Pariser Musée d'Orsay gibt es nun einen neuen Ausstellungsraum, der nur 13 Gegenstände zeigt, aber enorm wichtig ist, wie Bettina Wohlfahrt in der FAZ befindet. Es handelt sich um Kulturgüter, die von den Nazis geraubt wurden und die mit dem Kürzel MNR (Musées Nationaux Récupération), versehen von den französischen Nationalmuseen, untersucht und erforscht werden: "Zu den interessantesten Exponaten gehört das Gemälde 'Le Souper au bal' von Edgar Degas. Genauer gesagt handelt es sich um eine Kopie des Gemäldes 'Das Ballsouper' von Adolph von Menzel, das sich in der Alten Nationalgalerie in Berlin befindet. Menzel stellte es 1879, ein Jahr nach seinem Entstehen, in Paris aus. Sein Kollege Edgar Degas bewunderte die flirrende Ballraumszene derart, dass er eine recht freie Kopie malte, die er bis zu seinem Lebensende behielt. 1919 kam das Gemälde in die Sammlung des jüdischen Komponisten Fernand Ochsé, der 1940 nach Südfrankreich in die freie Zone floh, dann 1944 in Cannes verhaftet, nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet wurde. 1941 tauchte das Gemälde in einer Pariser Galerie auf und wurde - natürlich von besonderem Interesse für die deutschen Besatzer - vom Museumsdirektor Kurt Martin für die Kunsthalle in Karlsruhe erworben." Derzeit wird geklärt, ob das Gemälde restituiert werden kann.
Sarah Alberti zeichnet für Monopol die Geschichte der DDR auf der Biennale nach, fünfmal waren Künstlerinnen und Künstler des Landes vertreten, allerdings nicht in einem eigenen Pavillon: "Zur ersten Präsentation 1982 schickte der Künstlerverband bewusst nicht die großen Namen - keinen Heisig, keinen Tübke, keinen Sitte -, sondern vier Künstlerinnen und Künstler aus der jüngeren Generation: Sighard Gille, Heidrun Hegewald, Uwe Pfeifer und Volker Stelzmann. Vor allem Pfeifer und Stelzmann zählten zu den kritischen Geistern, die sich mit Missständen im Osten befassten. Pfeifers 'Feierabend' von 1977 - dicht gedrängt stehende Menschen in einer Unterführung, ohne Blickkontakt, ohne Verbindung, nur einer ballt hinter dem Rücken die Faust - hatte auf der VIII. Kunstausstellung für Aufruhr gesorgt. Der Rheinische Merkur wertete solche Kunst als 'pessimistisch in selbstkritischer Nabelschau verharrend'. In der DDR wurde über den ersten Auftritt in Venedig nur eine knappe Meldung über die staatliche Nachrichtenagentur verbreitet. Auch zwei Jahre später schwiegen die DDR-Medien. Dafür sprach ein britischer Kritiker umso deutlicher: 'Mit viel grimmiger Malerei voller Wildheit, Gewalttätigkeit und schmerzvollem Protest über die Unmenschlichkeit ist der ostdeutsche Pavillon wahrscheinlich der am härtesten zuschlagende.'"
Weiteres: Marc Reichwein protokolliert in der WeltUwe Tellkamps Rede zur Eröffnung der Ausstellung 'Feine Herrschaft' in Aschersleben mit Werken von Jonathan Meese und Neo Rauch.
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "James McNeill Whistler" in der Londoner Tate Britain (SZ).
Weitere Artikel: Im taz-Interview spricht der Fotograf Rainer Christian Kurzeder über seine Fotoserie, für die er queere Söhne und ihre Väter porträtierte. Auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ gratuliert Andreas Platthaus dem britischen Karikaturisten Gerald Scarfe zum 90. Geburtstag. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Ein Ferngespräch" über den künstlerischen Aufbruch in der Weimarer Republik im Münchner Lenbachhaus (taz).