Julian Barnes: Abschied(e)Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…

Lilia Hassaine zeichnet in ihrem 2049 spielenden dystopischen Krimi "Tödliche Transparenz" (bestellen) eine Welt, die vollkommen ausgeleuchtet und überwacht ist. Doch dann gibt es einen Kriminalfall, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. In der FAZ ist Hannes Hintermeier fasziniert von dieser Zukunftsvision einer Gesellschaft, die ganz im Zeichen der Transparenz steht - Transparenz im Sinne von sozialer Kontrolle, stellt Hintermeier klar, Privatsphäre gibt es nicht mehr, stattdessen geben Moralismus und ein striktes Achtsamkeits-Diktat den Ton an. Die Erzählung hat einen guten Drive, lobt der Rezensent, dem auch gefällt, wie undurchsichtig die Hauptfigur, die ermittelnde Kommissarin, bleibt. Im Dlf Kultur ist Sonja Hartl beeindruckt, wie geschickt Hassaine die Balance hält zwischen Gegenwartsdiagnose - schließlich ist die Privatsphäre in unserer technologischen Gegenwart bereits akut gefährdet - und Zukunftsprognose. "Tödlich erfrischend", verspricht Wolfgang Brylla in der Presse. Das genaue Gegenteil einer Dystopie ist Percival Everetts sprachverliebter "Dr. No" (bestellen), eigentlich kein Krimi, sondern ein Spionageroman. Es geht um einen autistischen Mathematiker und Erforscher des Nichts, der einen Teufelspakt mit einem Milliardär mit Großmachtfantasien eingeht. Mit vielen Gagideen, überraschenden Wendungen und Verweisen auf die guten alten James Bond-Filme und den Nihilismus unserer Zeit bringt Everett seinen Text auf Touren, schwärmt ein begeisterter Christoph Schröder im Dlf. Dass ein Text über nichts so unterhaltsam und anregend sein könnte, hätte FAZ-Kritikerin Sandra Kegel sich auch nicht träumen lassen. Sie lobt auch die kongeniale Übersetzung Nicolas Stingls. Toller Lärm um tolles Nichts, amüsiert sich in der NZZ Paul Jandl, aber auch mit Verweisen auf Donald Trumps Amerika.
Jonathan Coes "Der Beweis meiner Unschuld" (bestellen) ist der "idealen Krimi für das postfaktische Zeitalter", versichert in der FAZ Katrin Doerksen. Er beginnt wie ein Krimi der Kuschelsorte: Es geht um einen Journalisten, der gegen die Tories geschrieben hat, und dann auf einem ihrer Kongresse ermordet wird. Allerlei schrullige Nebenfiguren tauchen auf, darunter die Literaturwissenschaftlerin und angehende Autorin Phyl, die den Fall zu einem Krimi-Schreibexperiment machen will, und schon gehts um Fragen nach Wahrheit, Fiktion und Autofiktion, so die hingerissene Kritikerin. Auch FR-Rezensentin Sylvia Staude staunt, wie mühelos Coe mit den Genres Landhauskrimi, Cosy Crime, Dark Academia und autofiktionale Spielereien jongliert: politisch hellsichtig, literarisch verspielt und stets unterhaltsam, lobt sie. Und schon kommen wir zum "deutschen Vertreter John Le Carrés auf Erden", wie Welt-Kritiker Elmar Krekeler schwärmerisch Andreas Pflüger nennt, dessen Thriller "Kälter" (bestellen) er in den höchsten Tönen lobt. In Rente ist die Hauptfigur Lucy, eine in den 80ern auf Amrum ruhiggestellte schießwütige BKA-Beamtin, zwar nicht, aber mit 50 Jahren über das aktive Agentenalter eigentlich hinaus. Als ein Killerkommando auf der insel landet, wächst sie jedoch über sich hinaus. Spannend und sprachgewaltig, verspricht Krekeler. In der FAZ sekundiert Hannes Hintermeier: die Mischung aus zeitgeschichtlichen Appetithappen, Action in Slow Motion und einer üppigen Bildsprache funktioniere vorzüglich. 

Gut besprochen wurden außerdem James Lee Burkes "Im Süden" (bestellen), eine laut FAZ beeindruckend ambivalente Geschichte vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs. Band 1 des Sci-Fi-Comic-Krimis "Metropolia. Berlin 2099" (bestellen) von Fred Duval und Ingo Römling, dessen Mischung aus Futurismus und Anachronismus der taz gut gefallen hat. Zoran Drvenkars Thriller "Asa", laut Dlf Kultur eine Art "Hunger Games in der Uckermark" (bestellen). Susanne Tägders "Die Farbe des Schattens" (bestellen), der Krimi mit dem nach Mecklenburg versetzten Hauptkommissar Arno Groth. Der fünfte Band um die ermittelnde Rentnerband von Richard Osmans "Donnerstagsmordclub" (bestellen). Und natürlich Robert Galbraiths (aka J.K. Rowlings') neuer Roman "Der Tote mit dem Silberzeichen" (bestellen), der diesmal laut NZZ ein klassischer Whodunit ist.