Zsuzsanna Gahse

Südsudelbuch

Cover: Südsudelbuch
Edition Korrespondenzen, Wien 2012
ISBN 9783902113931
Gebunden, 374 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

"Alle sind unterwegs", sagt die Erzählerin in Zsuzsanna Gahses zweiteiligem Sudelbuch, und diese Erzählerin ist mitunter selbst unterwegs, z.B. in Spanien auf den Spuren des legendären Großvaters Endre, der als Barpianist in Granada gelebt haben soll, oder mit Horaz im Valsertal. Die leidenschaftliche "Reisephilosophin" zeigt die krassen Unterschiede zwischen Flüchtlingen und Urlaubern, zwischen Landlosen und Geschäftsreisenden, und im Hintergrund spielen die Alpen mit, der Süden leuchtet auf, Iberien, die Po-Ebene und das Karpatenbecken. Im zweiten Teil des Südsudelbuches beschleunigt sich die Erzählweise, aber von Anfang an schaut sich die Icherzählerin zusammen mit Tokoll, dem Fotografen, nach Gangarten um, nach Fingersprachen, Mundarbeiten und Sprechweisen der Leute in unterschiedlichen Landschaften.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2013

Alles bleibt etwas diffus in Samuel Mosers Besprechung von Zszsanna Gahses Buch. Offenbar muss das so sein, denn Moser stellt mehr als einmal fest, dass Gahse alles andere schreibt als ein normales Reisetagebuch. Es handelt sich mehr um ein Nachdenken über Menschen an ihrem Ort, ihre Bewegungen und über Züge. Das Instabile scheint dem Rezensenten das Definitive zu sein in diesen karg gefassten, genauen Beobachtungen und Gedanken. Dass Gahse weder üppig ausführt noch kommentiert, hält Moser für kühn. Dem von Moser erkannten eigenen Wunsch, der Präsenz des Verschwundenen nachzuspüren, entspricht die Autorin mit ihren Stilprinzipien jedoch scheinbar recht gut.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.01.2013

Jedes Wort eine Geschichte, das gilt laut Hansjörg Graf für Zsuzsanna Gahses "Südsudelbuch". Kritisch und mit Lichtenberg im Gedächtnis nähert sich der Rezensent diesem Versuch, Zeitgeschichte und eine fiktive Familiengeschichte unter einen Hut zu bringen. Dass die Autorin ihn an diesem Anliegen beteiligt, gefällt Graf. Ebenso Gahses Treffsicherheit der Beschreibung. Ein System hingegen sucht und findet der Rezensent im Buch nicht, muss er auch nicht. Gehend, sehend, sprechend führt ihn die Autorin, das langt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2012

Texte wie Reisen, von der Wirkung her jedenfalls, findet Anja Hirsch Parallelen, denn die kurzen und kürzesten, spielerischen, doch auch ernsthaften Notate der Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse verändern ihren Blick auf die Dinge. Bewusstsein für Sprache entsteht für Hirsch beim Lesen hier durch die federnde Leichtigkeit und Beweglichkeit der Gedanken, das Fließen der Wörter, das die Erzählerin durch halb Europa trägt oder die Wörter sie. Die Mischung aus Formbewusstheit und akrobatischem Spiel imponiert Hirsch.
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