Kurt Drawert

Nacht. Fabriken

Hauser-Material und andere Prosa
Cover: Nacht. Fabriken
Edition Korrespondenzen, Wien 2001
ISBN 9783902113023
Gebunden, 157 Seiten, 20,04 EUR

Klappentext

Mit Photographien von Ute Döring. In Prosatexten legt Kurt Drawert den Blick frei auf die Beschädigung des Individuums durch die Gewalt sozialer Systeme. Den Phrasen bis zu dem Punkt nachgehend, wo sie verkörpert sind, diagnostiziert er die Krankheit der Welt als die Krankheit ihrer Texte. Er erzählt die Geschichte des Körpers als die eines Fremdkörpers, legt Brüche der Identität und der Erinnerung offen. In seinem "Hauser-Material" ? in diesem Band erstveröffentlicht ? bedient sich Drawert der Figur Kaspar Hauser als einer Metapher für das ausgegrenzte Irrationale, das mit der Auflösung der antipodischen Gesellschaftssysteme von Ost und West in die aufgeklärte Welt einbricht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2001

In ihrer Rezension beschäftigt sich Iris Denneler mit drei Büchern von Kurt Drawert: "Rückseiten der Herrlichkeit" (Suhrkamp), "Reisen im Rückwärtsgang", das er zusammen mit Blaise Cendrars verfasste (Arche) und "Nacht. Fabriken. Hauser-Material und andere Prosa" (Edition Korrespondenzen).
Denneler möchte den Lesern "dringend" anraten, diesen Autor für sich zu entdecken. Die Art und Weise, wie Drawert imstande sei, "Ressentiments, unterschwellige Aggressionen, menschliche Verstrickungen" aufzuspüren, gehört für sie zum besten - und auch gewagtesten - der deutschen Gegenwartsliteratur. Bei den Reisen nach Ostdeutschland etwa (wo Drawert ursprünglich herkommt) gehe es nicht um das Reisen selbst, sondern vielmehr darum, auch Schmerzen erfahrbar zu machen, die 'Orte ehemaliger Kränkung wieder aufzusuchen', sich an das Misstrauen in der DDR, das "ständige Nur-nicht-Auffallen!", das Duckmäusertum zu erinnern. Drawert stellt sich hier, so Denneler, auch der eigenen Geschichte. Gleichzeitig sind seine Texte durchaus auch "fiktional, ja surreal", findet sie. Dass nun drei ganz unterschiedliche Bücher Drawerts erschienen sind (vermischte Prosa, erzählerische Texte und eine Erzählgedicht mit Blaise Cendrars), hat für Denneler einen Reiz ganz besonderer Art. Denn die Gegensätze, die in Drawerts Literatur eine so große Rolle spielen, wie zwischen "Fremdem und Eigenem, Erlebtem und Imaginierten", werden nun auch durch die unterschiedlichen Bücher - sowohl was den Inhalt betrifft wie auch die Aufmachung - ergänzt. Gerade solche "Interferenzen und Grenzgänge" findet Denneler äußerst typisch für Drawert, dessen Stärke sie insbesondere in Verunsicherung und Zweifel festmacht, Zweifel auch am eigenen Ich, der Sprache und am Sinn seiner eigenen Tätigkeit, was für Denneler "keineswegs bloße Rhetorik" ist.
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