Zsuzsanna Gahse

Instabile Texte

Zu zweit
Cover: Instabile Texte
Edition Korrespondenzen, Wien 2005
ISBN 9783902113412
Gebunden, 142 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Wie Europa zerfallen die Alpen in einzelne Täler, Seen und Städte, in unterschiedliche Volksgruppen und Sprachen, in Stimmen und Stimmungen. Ironisch und intelligent erforscht Zsuzsanna Gahse diese Vielfalt und findet dafür in den "Instabilen Texten" eine radikale Form. In Betrachtungen, Geschichten und Gegengeschichten tastet sie sich an Gegenden und Personen heran. Mit der heimlichen Hauptfigur Pierre erwandert sie die steile Grammatik der Stadt Lausanne, der unheimlichen Hochtal-Berta erzählt sie in den Bergen Sagen. Bei einer Vernissage hält die faltenreich vergreiste Europa Hof, in einem Festsaal schreiten dünnhäutige Glühbirnenköpfe zum Rednerpult. Ein Licht-Logbuch verzeichnet die wechselnden Stimmungen an Seen - und auch ein Liebesroman im SMS-Format fehlt nicht in dieser Phänomenologie der mobilen Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2006

Zsuzsanna Gahse habe eine eigene Literaturgattung kreiert, staunt und lobt Rezensent Christoph König. Zwischen Lyrik und Prosa reflektierten ihre Texte sowohl Worte und Redewendungen auf ihre Gebräuche und Bedeutungen als auch die Reflexion darüber. An mehreren Beispielen veranschaulicht der Rezensent, mit welchem "Scharfsinn" die Autorin Welt und Worte wörtlich nehme - schon der Titel tue, was er sage - und eine Art "Wortinnenraum" erschaffe, der aus lexikalischen, etymologischen und vor allem grammatischen Bezügen hergestellt wird. Zum Stichwort Wörtlichkeit verweist der Rezensent auf dessen besondere und zugleich heikle Rolle in der Lyrik und insbesondere bei Paul Celan. Von einem solchen Wortverständnis als Ursprung aus gesehen sei jedes Sprechen schon eine Übersetzung, und hier, so der Rezensent, sei die seit langem als Übersetzerin tätige Zsuzsanna Gahse nun wirklich zu Hause.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2006

Fast bezaubert haben Kristina Maidt-Zinke die verschlungenen, nicht linear erzählten dreizehn Texte der in der Schweiz lebenden Ungarin Zsuzsanna Gahse. Es seien Miniaturen von "eigenwilliger Grazie", die wie "kleine Sprachteppiche zum hin- und herwandern" einladen, und dabei ihr schweizerischen Terrain als europäischen Sprach-Raum abstecken, der sich nur transitorisch, in der wörtlich genommenen Übersetzung erfassen lässt. Bei der Fahndung nach Möglichkeiten der Übertragung einer "Landschaft in Sprache, eines Stadtplans in Grammatik" befinde sich die vielsprachige Erzählerin und geschätzte Übersetzein auf ureigenem Gebiet, ihre gewagten "Augenwanderungen" über Berge und Täler und in den polyglotten Städten der Schweiz spüren den schmalen Grad zwischen Übersetzung und Erfindung auf. In Lausanne etwa heißt es, "sei praktisch jede Person übersetzt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2006

Liebevoll und fasziniert schreibt Nico Bleutge über Zsuzsanna Gahses "Instabile Texte", eine Sammlung von poetischen Miniaturen, die sich, so der Rezensent, auf den ersten Blick ausnehmen "wie kleine Knäuel". Offenbar hatte Bleutge viel Vergnügen beim Entrollen, Entfalten und Belauschen dieser Knäuel. Er selbst jedenfalls ist ganz poetisch geworden, und so gibt es nicht sehr viel mehr zu referieren als den Eindruck einer großen Begeisterung, einer Infizierung beinahe. Das ist bei einem poetischen Werk ja Qualitätsurteil genug. Was feststeht nach Lektüre der Rezension: Der eigentliche Protagonist von Gahses Texten ist die Sprache, den Wörtern gilt die "eigentliche amour fou"; Referenzfiguren sind Helmut Heissenbüttel, Witold Gombrowicz und Gertrude Stein. Mit ihrer von ihr selbst so genannten "mechanischen Darstellungsweise" erzeugt Gahse auf sehr schöne, gauklerische, fragile Art und Weise Welten - Landschaften, Berghänge - sie betreibt eine Form von sprachlicher Äquilibristik, vorgebracht in einem Ton, der, so Bleutge, noch lange nachklingen möge.
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