Yvonne Adhiambo Owuor

Der Ort, an dem die Reise endet

Roman
Cover: Der Ort, an dem die Reise endet
DuMont Verlag, Köln 2016
ISBN 9783832198206
Gebunden, 512 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Simone Jakob. Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Doch im Moment größter Verzweiflung entsteht auch etwas Neues: Eine Liebe - oder zumindest eine Verbindung - nimmt ihren Anfang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2016

Mit Yvonne Owuors Roman "Der Ort, an dem die Reise endet" lässt sich Rezensentin Thekla Dannenberg auf die jüngste Geschichte Kenias ein, eine Geschichte der enttäuschten Hoffnungen und des Scheiterns. In ihrer umfangreichen Rezension lobt sie Owuors überschäumende, traurig wütende Erzählung, ihre Empathie für die einsamen Figuren des Romans, die Unvorhersehbarkeit der Handlung und wirft einen Blick auf das Land und sein Volk, das die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft aufgegeben habe. Die Schicksale sammeln sich alle in Wuoth Ogik, dem "poetischen Zentrum" des Romans, hier finden sich Suchende, Fliehende, Händler, Polizisten und Kolonisten, Geschichten von abwechselnd "schroffer Kargheit" und "üppiger Schönheit", ganz wie die Landschaft, erfahren wir von Dannenberg, die tief berührt von Owuors Roman scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2016

Katharina Granzin preist Yvonne Adhiambo Owuors ersten Roman als Weltliteratur. Dafür spricht laut Granzin nicht nur, dass die Autorin ein Stück Geschichte Kenias in der Geschichte ihrer Figuren spiegelt, sondern auch, dass die Gestalten und Orte so lebendig werden, Farben, Geräusche und die Hitze der Stadt Nairobi. Restlos erklärlich werden die Figuren aber nicht, versichert Granzin. Hochsymbolisch und hochkomplex gefasst, meint Granzin, kommt eine Familiengeschichte über mehrere Generationen ins Bild, ihre Hoffnungen und Alpträume im Kenia der 50er und 60er Jahre. Der Autorin attestiert Granzin narrative Kraft, stellvertretend sichtbar in der drastischen Eingangsszene des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.03.2016

Marie-Sophie Adeoso hat keinen Zweifel: Bei Yvonne Adhiambo Owuors Debütroman handelt es sich um einen großen Wurf. Sie sagt das, obgleich ihr die Lektüre der 500 Seiten nicht leicht gefallen ist. Die Autorin wirft mit Orten und Figuren der kenianischen Geschichte nur so um sich, meint sie, fordert die Leserin mit möglichst knappen Informationen zum Denken und Handeln des Personals und mit Zeit- und Ortssprüngen. Das Glossar im Anhang ist Adeoso da durchaus eine wichtige Hilfe. Im übrigen aber schätzt die Rezensentin das ungestüme Eintauchen der Erzählung in die Wut und die Trauer eines Landes, in Straßenszenen und Verfolgungen und die Traumata einer Familie im kenianischen Norden. Letztere, erklärt sie, reichen zurück bis in die koloniale Vergangenheit. Für sie findet die Autorin starke Bilder, einen vielschichtigen Plot und eine ebensolche Sprache, mal kantig und spröde, mal poetisch, so Adeoso.
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