Xu Xing

Und alles, was bleibt, ist für dich

Roman
Cover: Und alles, was bleibt, ist für dich
SchirmerGraf Verlag, München 2004
ISBN 9783865550057
Gebunden, 273 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Rupprecht Mayer und Irmy Schweiger. Eine Mischung aus unverstandenem Genie, das eigentlich nur in seinem Element ist, wenn es mit einem hübschen Mädchen flirtet - und Jack Kerouac: So stilisiert sich der Ich-Erzähler dieses Romans. Auf der Suche nach dem Wahren und Schönen lässt er sich durch die postmaoistische Pekinger Kunstszene treiben und trifft dabei nur auf Möchtegern-Kafkas, Pseudo-Van Goghs und Alkoholiker. Er beschließt, in den gelobten Westen zu seinem Freund Xi Yong zu reisen, der sich irgendwo in Deutschland im chinesischen Restaurant seiner Tante ausbeuten läßt. Aber er muss auf sein Visum warten, und so erholt er sich bei einem Abstecher nach Tibet, wo er mehr über Einsamkeit erfährt, als ihm lieb ist. Endlich in dem romantischen deutschen Städtchen angekommen, in dem sich Xi Yong inzwischen Hals über Kopf in eine blauäugige Brötchenverkäuferin verliebt hat, lernt er den Westen aus einer ziemlich chinesischen Perspektive kennen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2004

"Einen Fund, eine Entdeckung" hat ein atemloser Ludger Lütkehaus mit Xu Xings Schelmenroman gemacht und ihm eine äußerst emphatische Rezension gewidmet, die zur Hälfte aus einem Porträt des chinesischen Autors besteht. Dies scheint legitim, schließlich ist Xus Erstlingsroman in vielen Punkten "autobiografisch inspiriert", meint der Kritiker. Ähnlich rastlos wie der Schriftsteller in der Schilderung des Rezensenten wirkt, ist auch der Ich-Erzähler, der von einer abenteuerlichen Reise berichtet, die ihn von China über Tibet bis nach Deutschland führt. Vor allem der exotische Blick, die präzise Beobachtung der deutschen Kultur gefällt Lütkehaus, der sich etwa an nicht näher definierten "Brötchen und Brüsten deutscher Bäckersfrauen" ergötzt oder an der "Suppe der hundert Kostbarkeiten", welche in deutschen Chinarestaurants aus den Essensresten der früherer Gäste gewonnen wird. "Ein Feuerwerk von Einfällen" sei der Picaro-Roman, in dem "Satire und Selbstironie" Hand in Hand gingen. Lediglich am Schluss des Buches hat der Brötchenliebhaber Lütkehaus etwas zu mäkeln. Die bis dato ungetrübte Lesefreude des Kritikers wurde durch ein tragisches Ende etwas geschmälert, da falle der ansonsten rundum gelungene "Roman aus seinem Duktus heraus".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.07.2004

"Extrem unterhaltsam" findet Rezensentin Susanne Messmer diesen ersten, ins Deutsche übersetzten Roman von Xu Xing, der - trotz langjähriger Umerziehung - zum Vorreiter einer postmodernistischen Literatur in China wurde, wie Messmer erzählt. Xu Xings Helden sind allesamt Blindgänger mit einer großen Klappe und stinkefaul, schwärmt unsere Rezensentin. Dabei setzten sie ihre Devise "Plackerei ist nicht nötig" dem neuen chinesischen Turbokapitalismus entgegen, der vielleicht Reichtum, aber weder Sinn noch Moral verheißt. Das Buch erinnert Messmer vom Strickmuster her an einen Schelmenroman, aber auch an die Bücher des Erfolgsautors Wang Shuo, dessen Helden allerdings eher "gewiefte Trittbrettfahrer" der Reformen sind, nicht Verweigerer. Und wie Messmer betont, hat Wang Shuo bei Xu Xing gelernt hat, nicht umgekehrt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.05.2004

Rezensent Georg Blume freut sich, dass China endlich eine "literarische Stimme" hat, die "kritisch" ist, ohne zu vergessen, dass sie "selbst Ausdruck einer neuen Freiheit ist." Gefunden hat er diese Stimme in Xu Xing, dessen Debütroman von zwei Freunden erzählt, die sich auf eine ebenso unbefangene wie abenteuerliche Reise durch ein China begeben, das zu gleichen Teilen von Kommunistischer Partei und Kapitalismus geprägt ist. Fasziniert ist der Rezensent von der "großen innerlichen Beständigkeit", die Xu Xing nicht nur seinen Protagonisten auf den Leib schreibt, sondern die auch er erfolgreich verkörpert. Der Autor "wehrt sich" gegen Vereinnahmungen, wie Blume ausführt, will sich nicht in eine Reihe stellen lassen mit anderen Exilchinesen, die sich darauf beschränken, den Demokratiemangel Chinas zu kritisieren. Xu Xing, so weiß der Rezensent, "sieht Dinge wie kein anderer" und schreibt mit einer Mischung aus Huckleyberry Finn'scher "Naivität" und "politischer Respektlosigkeit". Schön, dass der Autor wie seine Romanhelden "frei und offen für Land und Leute um sich herum" ist.
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