Wulf Schmiese

Fremde Freunde

Deutschland und die USA zwischen Mauerfall und Golfkrieg
Cover: Fremde Freunde
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2000
ISBN 9783506779038
Broschiert, 323 Seiten, 34,77 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2000

Auch Journalisten haben Vorurteile, das ist eine Allerweltsweisheit, so Oliver Schmidt, die dennoch in der Berichterstattung fatale Auswirkungen haben kann. Er sieht seine These durch Wulf Schmieses Untersuchung bestätigt; der Historiker hat sowohl amerikanische wie deutsche Printmedien für den Zeitraum 1989 bis 1991 ausgewertet und sie auf die "übernommenen Negativ-Bilder" hin untersucht. Und siehe da, das Deutschland-Bild der Amerikaner ist differenzierter ausgefallen, erläutert Schmidt. Zwar lauere das Bild eines "dominierenden Deutschland" stets irgendwo im Hintergrund, gleichzeitig galt die Bundesrepublik als Garant von Demokratie und Stabilität. Umgekehrt handelten deutsche Berichterstatter, so Schmidt, die amerikanische Politik mit den immer wiederkehrenden Klischees von Imperialismus, Materialismus und Heuchlertum ab. In einem historischen Exkurs gelinge es dem Autor faszinierenderweise sogar den Ursprung dieser Feindbilder bis in die Romantik zurückverfolgen. Unangebracht oder schlicht naiv findet Schmidt am Ende den Appell Schmieses für einen fairen journalistischen Umgang der beiden Staaten miteinander.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2000

Wohlwollend schreibt Ulrike Koltermann in ihrer Rezension über Schmieses Anliegen, die gegenseitigen Stereotypen der Deutschen und der Amerikaner voneinander durch die Recherche in Presseartikeln herauszuarbeiten. Der Mauerfall und der Golfkrieg hätten ihm das Material für seine "Ausführliche Presseschau" geliefert, bemerkt sie. Allerdings wendet sie dann auch ein, dass Stereotypenforschung sich auf "nachgiebigem Untergrund" bewege. Sie ist vor allem skeptisch bei Folgerungen, die Schmiese aus "stereotypen" Äußerungen zieht. So bezweifelt sie etwa, dass die Deutschen wegen kursierender negativer Amerikabilder den amerikanischen Anteil an der Wiedervereinigung verkennen würden.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Anne Carson. Der bittersüße Eros. Turia und Kant Verlag, Wien, 2020.Anne Carson: Der bittersüße Eros
Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…