Ihren Kampf begriffen amerikanische Bürgerrechtler seit jeher als einen globalen und trugen diesen auch nach Deutschland in die DDR. Während die SED dort Solidarität mit der afroamerikanischen Bevölkerung verkündete, ermutigten Martin Luther Kings Ideen so manchen zum Widerstand gegen die SED-Diktatur.
Maria Schubert untersucht anhand der DDR-Besuche von Paul Robeson, Martin Luther King, Ralph Abernathy und Angela Davis die Wirkungsgeschichte der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung im ostdeutschen Staat. Neben der offiziellen SED-Politik gegenüber dem sogenannten "anderen Amerika" stehen die eigenwilligen Umdeutungen des Bildes bei der Bevölkerung im Mittelpunkt. Dabei setzt sich die Autorin mit der Geschichte der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der sozialistischen Gedankenwelt auseinander. Sie zeigt, wie (inner-)gesellschaftliche Entwicklungen in der DDR durch transnationale Einflüsse eine besondere Dynamik erhielten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2019
Jacqueline Boysen lernt mit der Studie der Historikerin Maria Schubert die Verbindungen zwischen der evangelischen Minderheit in der DDR und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung kennen. Wechselwirkungen kann sie Boysen anhand von Protagonisten wie Martin Luther King oder der in der DDR als Stilikone verehrten Angela Davis erläutern. So detailreich die Arbeit die SED-Herrschaft und ihre Haltung zur eigenen Kirche und zum Klassenfeind abbildet, so fragwürdig erscheinen Boysen manche Schlussfolgerung im Band, zumal die Autorin sich ihrer Meinung nach recht einseitig auf Stasi-Unterlagen stützt und auf Zeitzeugenbefragung verzichtet. Weniger Theorie und "elegische Sprachbilder" hätten dem Buch gutgetan, meint Boysen. Den laut Rezensentin durchaus eigenen Zugriff einer ostdeutschen Pfarrerstochter auf das Thema findet sie jedenfalls spannend.
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