Dass eine mit Gewalt imprägnierte Gesellschaft zu gegebener Zeit eine Eigendynamik entfalten, dass sie sich sogar als ein Treibhaus für Katastrophen erweisen kann, diese uns heute einleuchtend erscheinende Einsicht musste im 20. Jahrhundert teuer erkauft werden. Der deutsche Militarismus hat seine Ursprünge in der altpreußischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Wolfram Wette macht mit seinem neuesten Werk deutlich, wie tief das Militär in Struktur und Mentalität der deutschen Gesellschaft verwurzelt war. Einflüsse des Militärs auf die Politik, die Wissenschaft und die Wirtschaft, sozialer Militarismus, Gewaltverherrlichung, Kriegsideologien, Freund-Feind-Denken, nationalistische und rassistische Ideologien, militaristische Erziehung, Interessen der Rüstungsindustrie und andere Erscheinungen sind als Bestandteile eines größeren Ganzen aufzufassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2009
Als bemerkenswerte, zum Nachdenken anregende Arbeit bezeichnet Klaus-Jürgen Müller die Arbeit des militärkritischen Historikers Wolfram Wette, der mit diesem Buch versucht, sich dem politischen Kampfbegriff des Militarismus auf pragmatische Weise zu nähern. Dem selbst gesetzten Ziel, dem Leser empirisch fundiert einen Überblick zum Thema zu vermitteln und die kriegerische Kultur in Preußen-Deutschland in ihren Ursprüngen und Wandlungen zu erfassen, wird der Autor laut Rezensent durchaus gerecht. Müller findet die Umsetzung engagiert, die Formulierung zupackend-kritisch und die Berücksichtigung der Forschung vorbildlich. Wettes Kombination aus chronologischer Darstellung und struktureller Analyse zeigt ihm die Einflüsse des Militärs auf Politik und Wirtschaft sowie auf die Werte und Verhaltensweisen in der Gesellschaft. Wirklich neu erscheint ihm die Berücksichtigung von Ergebnissen der Friedens- und Genderforschung in den Diskussionszusammenhang. Ausführungen zum "linken Militarismus" in der DDR hat er dagegen vermisst.
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