Tief sitzen die Vorurteile gegen die Menschen, die man früher "Zigeuner" nannte. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa werden Sinti und Roma ausgegrenzt und diskriminiert, oft sogar verfolgt. Mit der Armutszuwanderung aus Südosteuropa wurde das alte Feindbild auch hierzulande wiederbelebt. Der Historiker Wolfgang Wippermann geht den Vorurteilen auf den Grund und differenziert religiöse, soziale, romantisierende und rassistische Motive. Zusammen bilden sie, so erklärt er, eine eigenständige Ideologie: den Antiziganismus. Der entsteht nicht etwa im Bodensatz der Gesellschaft oder ist historisch erledigt, diese Ideologie ist nach wie vor politisch gewollt: Sie dient der Abgrenzung vom vermeintlich Fremden und der Legitimation von Herrschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2015
Ehrenvoll und notwendig findet Luisa Seeling Wolfgang Wippermanns Versuch, den Genozid an den europäischen Roma in Erinnerung zu rufen und auf das Fortbestehen der Vorurteile gegen die Roma hinzuweisen. Wenn Wippermann das in persönlichem Ton macht, nicht nüchtern, sondern zornig, hat die Rezensentin Verständnis angesichts der Wiederbelebung alter Feindbilder. Gern lässt sie sich vom Autor den Begriff "Zigeuner" historisch erklären und die verschiedenen Motive für den Antiziganismus aufschlüsseln. Dass der Autor mit seinem Vergleich zwischen Shoah und dem Völkermord an den Roma keine Opferhierarchie aufstellen möchte, scheint ihr klar, ebenso Wippermanns Forderung nach einer vergleichbaren Ächtung dieses verdrängten Genozids.
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