Wolfgang U. Eckart

Von Kommissaren und Kamelen

Heinrich Zeiss - Arzt und Kundschafter in der Sowjetunion 1921-1931
Cover: Von Kommissaren und Kamelen
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2016
ISBN 9783506785848
Gebunden, 382 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Anlässlich des hundertsten Jahrestages der Oktoberrevolution von 1917: die Erstveröffentlichung der farbigen Berichte des Mediziners Heinrich Zeiss aus der jungen Sowjetunion. Wolfgang U. Eckart stellt das abenteuerliche Leben dieses Mannes vor und präsentiert eine kommentierte Auswahl seiner vertraulichen Aufzeichnungen. Zwischen 1921 und 1931 bereiste der deutsche Arzt und Hygieniker Heinrich Zeiss als Expeditionsarzt, Kulturbeobachter und Kundschafter den europäischen und asiatischen Teil der RSFSR und der späteren UdSSR. Seine Aufzeichnungen und Fotografien geben Einblick in die sozialen Zustände, aber auch in die kulturelle und politisch-militärische Lage nach dem Bürgerkrieg. Zeiss interessierte sich bei seinen Reisen unter anderem für die Situation in der Wolgadeutschen Republik und in Kasachstan, forschte über Kamelkrankheiten, engagierte sich für ein Museum lebender Mikroben in Moskau, stand in engem Kontakt mit bolschewistischen Kommissaren und attraktiven Agentinnen. Sein Augenmerk galt aber vor allem den kulturellen Auswirkungen der Sowjetisierung und den Problemen, die sich aus dem Umstand ergaben, dass die Sowjetunion ein Vielvölkerstaat war. Zeiss hat sich dabei immer als Freund Sowjetrusslands verstanden, obgleich er dem Kommunismus sehr distanziert gegenüber stand. Als seine Bewegungsfreiheit im Stalinismus zunehmend schwand, verließ er enttäuscht das Land.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2017

Der bekannte Historiker Jörg Baberowski erfährt aus Wolfgang U. Eckarts Dokumentation über den Hygieniker Heinrich Zeiss und dessen Erfahrungen in der Sowjetunion zwischen 1921 und 1932 nichts, was er nicht schon woanders gelesen hätte. Wie sich Zeiss in seinen Aufzeichnungen und Expeditionsberichten aus den Hunger- und Seuchengebieten in Minsk und bei den kasachischen Nomaden am Ural als Missionar im Dienst deutscher Kultur und Wissenschaft begreift, überrascht den Rezensenten nicht. Der Zusammenhang zwischen Rassenhygiene in NS-Deutschland und den Erfahrungen eines ihrer Repräsentanten im Ausland jedoch, der Baberowski brennend interessiert, wird im Buch leider nicht angesprochen, so der Rezensent.

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