Wjatscheslaw Iwanowitsch Iwanow

Dionysos und die vordionysischen Kulte

Cover: Dionysos und die vordionysischen Kulte
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2012
ISBN 9783161502088
Broschiert, 416 Seiten, 59,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Michael Wachtel und Christian Wildberg. Der in Moskau geborene Vjaceslav Ivanov (1866-1949) ging als Zwanzigjähriger nach Berlin, wurde Doktorand bei Otto Hirschfeld und Theodor Mommsen, wendete sich dann aber von der akademischen Laufbahn ab und entwickelte sich zu einem der einflussreichsten russischen Dichter und Gelehrten seiner Zeit. Auf seine auf Russisch verfassten und in Westeuropa nicht rezipierbaren Dionysos-Studien sollte in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts "Dionysos und die vordionysischen Kulte" erscheinen, ein einmaliges Werk, in dem Ivanovs vielseitiges Verständnis griechischer Religionsgeschichte - als Dichter, Mythenforscher, Philosoph, religiöser Denker und Gelehrter - zur Reife kam. In ihm unternimmt Ivanov mit Gelehrsamkeit und Scharfsinn den Versuch, Licht in das Chaos der orgiastischen Lokalkulte Griechenlands zu bringen und zu beweisen - noch vor der Entdeckung der Linear-B Tafeln mit dem Namen des Dionysos - , dass die Religion des Dionysos tiefe griechische Wurzeln besaß. Ivanov zieht dabei überraschende Verbindungslinien zur griechischen Dichtung, zur Tragödie und nicht zuletzt zum Frühchristentum.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2012

Für ein Kuriosum der Wissenschaftsgeschichte hält Kurt Reumann die Verspätung der deutschen Ausgabe von Vjačeslav Ivanovič Ivanovs Versuch einer Verchristlichung des Dionysos-Kultes um acht Jahrzehnte. Das Buch des russischen Kulturphilosophen hält für Reumann allerdings auch durchaus unwissenschaftliche Thesen bereit. Laut Ivanov nämlich ist Dionysos eine Art griechischer Christus, eine Leidensfigur, beziehungsweise trägt umgekehrt Christus dionysische Züge. Dem Rezensenten geht das etwas zu weit, der Faszination solch steiler Thesen kann er sich aber dennoch nicht ganz entziehen. Auch, weil ihn Ivanovs Darstellung griechischer Helden von Achill bis Herakles als Vorgänger des Dionysos zum Nachdenken über die Entstehung der Tragödie anregt. Die Überprüfung der Tragfähigkeit dieser Anregungen empfiehlt Reumann jedoch gleichfalls.

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