Unangefochten galt Jahrhunderte lang der Titel des Heilands oder des Retters (griechisch Soter) als dichteste Zusammenfassung dessen, wer Jesus Christus für einen gläubigen Menschen ist. Doch diese unangefochtene Stellung des Heilands-Titels war nicht immer gegeben. Es ist damit zu rechnen, dass die frühen Christen bestehende Retter-Traditionen ihrer Umwelt aufgriffen, und sie je nach Bedarf und theologischer Intention umakzentuierten und neuprägten, um den Retter-Anspruch Jesu Christi ihren Zeitgenossen verständlich zu machen. Diese detaillierte Analyse paganer wie frühjüdischer Retter-Beschreibungen öffnet erstmals den Blick für die Inkulturationsleistung der neutestamentlichen Autoren, die hieran in unterschiedlicher Weise anknüpfen konnten, um ihren Retter Jesus zu verkünden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2002
Franz Jungs Dissertation über den Begriff des Retters hat Rezensent Klaus Berger tief beeindruckt. Geradezu begeistert berichtet er über Jungs grundlegende Erkenntnis, dass es sich bei dem "Retter" um einen Titel handelt, der in vorchristlichen Zeiten "nicht nur Göttern, sondern auch Menschen zukam". Erst später habe sich der "Retter"-Begriff sowohl göttlich als auch christlich spezialisiert. Doch Jung werte nicht und versuche auch nicht, eine der beiden Begriffsverwendungen als "wahr" darzustellen - er beobachte nur. In methodischer Hinsicht findet Berger Jung sehr überzeugend, da dieser einerseits "semantische Felder" analysiere und andererseits eine "erneuerte Formgeschichte" vorlege. Besonders angetan ist der Rezensent von den "forschungs- und ideologiekritischen Zügen" dieser Arbeit - vor allem, weil Jung mit dem "Dekadenzmodell" aufräume, das besagt, Christus sei als Retter der Reinheit der in liederlicher Zersetzung begriffenen römischen Gesellschaft gegenübergetreten. Bergers Fazit: hier handelt es sich um eine wirklich bedeutsame Arbeit.
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