Emmanuel Carrere

Das Reich Gottes

Cover: Das Reich Gottes
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2016
ISBN 9783957572264
Gebunden, 524 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Hamm. Welches Verhältnis unterhält das Abendland zu seiner eigenen Religion? Emmanuel Carrère stellt sich die Gretchenfrage. Er vertieft sich in die Anfänge des Christentums fragt nach der Kraft, mit der es gelingt, an Dinge zu glauben, gegen die der Verstand rebelliert, und eine revolutionäre Ethik zu vertreten, die den Schwachen zum Starken erklärt. Mal ironisch, mal mit dringlichem Ernst zeichnet Carrère das Fresko einer antiken Welt, die in vielen Zügen unserer heutigen ähnelt. Zwei Lebenskrisen stellen Emmanuel Carrère vor die Frage, wie Menschen an Dinge glauben können, die dem Verstand entgegenstehen. Er begibt sich auf die Fährte des Revolutionärs Paulus und des Intellektuellen Lukas, zwei prägenden Gestalten des Christentums. Carrère zeichnet das Bild einer Welt, die vom Pragmatismus des Römischen Reiches beherrscht ist und doch durchdrungen vom Wunsch nach tieferem Sinn und Gemeinschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

Rezensent Daniel Haas outet sich als wahrer Carrère-Fan, der dessen Bücher nicht nur mit Genuss liest, sondern sich von ihnen wie verwandelt fühlt. Emmanuel Carrères neuester Roman heißt "Das Reich Gottes", verrät der Rezensent. Der Autor erzählt darin die Geschichte des Urchristentums und geht dabei von einer eigenen Krise aus, die ihn in den Neunziger Jahren auf die Bibel und die Religion gebracht hatte, erklärt Haas. Diese persönliche Perspektive eines fiktionalisierten Autoren-Ichs, das ist Carrères Spezialität, weiß der Rezensent. Mithilfe des persönlichen Zugangs provoziert der Autor Identifikation, die dann nicht mehr abreißt und die Geschichte Jesu Christi und der Apostel zu einem lebendigen, greifbaren und bewegenden Erlebnis macht, verspricht Haas.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2016

Wie glauben? Um diese Frage kreist das vorliegende Buch, erklärt Rezensentin Hanna Engelmeier. Sich diese Frage eindringlich zu stellen, dazu habe der Autor Emmanuel Carrère allen Grund, erfahren wir weiter: Im Zuge einer Lebenskrise wandte er sich in den 90ern Trost suchend dem Christentum zu, scheiterte aber daran, gläubig zu werden, was zur vorliegenden Auseinandersetzung mit den Lebensstationen zahlreicher, für den christlichen Glauben maßgeblicher Persönlichkeiten führte. Was sie selbst davon hält, bleibt jedoch unklar. Dass sie das Buch im folgenden eher lakonisch abhandelt - der Autor suche vor allem unexotische Orte auf, sein Fazit aus dieser Auseinandersetzung mit dem Glaube falle recht lapidar aus - lässt jedoch auf eine wenig ersprießliche Lektüre schließen. Ausdrückliches Lob findet immerhin die Übersetzung von Claudia Hamm.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016

Rezensent Alex Rühle hat Emmanuel Carreres neues Buch "Das Reich Gottes" einigermaßen überrascht aufgenommen: Zum einen, weil er den französischen Schriftsteller bisher vor allem als Verfasser herausragender Biografien kannte, zum anderen weil hier ein erklärter Agnostiker über das frühe Christentum schreibt und dann noch einen Bestseller in Frankreich landet. Das allerdings wundert den Kritiker wenig, denn Carrere geling es ausgezeichnet, seine detailreiche Textexegese der Apostelgeschichte und des Lukasevangeliums mit eigenen, von metaphysischer Sehnsucht geprägten Tagebucheinträgen aus den Neunzigern und seinen sehr bescheidenen Vermutungen zu verknüpfen - ganz ohne bekehren zu wollen oder das Erzählte "hollywoodesk realistisch" aufzublasen, lobt der Rezensent. Und dann liefert der Autor in seiner Geschichte über Lukas und Paulus auch noch wunderbare Porträts von Nero, Vespasian oder Seneca und schreibt mit soviel Humor, dass Rühle dieses Buch nur unbedingt empfehlen kann.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.03.2016

Sachbuch, Lebensbeichte, historischer Roman über die antike Welt? Richard Kämmerlings fühlt sich nicht berufen, das zu entscheiden. Für ihn ist Emmanuel Carrères Buch ein Text mit vielen Gesichtern. So kann er sich vorstellen, dass derjenige, der vom Christentum nichts weiß, darin eine passable Einführung in eine Weltreligion findet. Schon, weil der Autor sich mit seinem tastenden, volkstümlich-direkten Stil seinem Gegenstand gut annähert beziehungsweise die Form seines Textes von diesem beeinflussen lässt. Zuerst schreibt Carrère laut Kämmerlings allerdings eine Art autobiografischen Bericht seiner eigenen Begegnung mit dem Neuen Testament und den biblischen Ereignissen, tiefsinnig, durchaus ironisch, kompliziert und inspirierend, meint der Rezensent. Dass der Autor nicht als Missionar auftritt, gefällt Kämmerlings. Und langweilig wird ihm auch nicht mit dem Buch.