Mit Beiträgen in englischer Sprache. Herausgegeben von Hildegard Cancik-Lindemaier. In den hier gesammelten Aufsätzen skizziert Hubert Cancik die Struktur der römischen Religion und erzählt ihre Geschichten. Er beobachtet die kultische Praxis und erklärt ihre Selbstreflexion, die eigene und die Kritik der anderen, der Griechen, Juden, Christianer. Der zeitliche Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der klassischen Epoche, der Kaiserzeit und der Spätantike, besondere Aufmerksamkeit gilt der Interaktion der römischen mit der griechischen, jüdischen und christlichen Religion. Alle Religionen dieser Epoche entwickeln oder verstärken universalistische Tendenzen. Auf der Grundlage früher und kontinuierlicher italisch-griechischer Kulturkontakte konvergieren unter dem nivellierenden Druck des Imperium die Religionen des Mittelmeerraumes. Es entsteht ein multireligiöses System, das als "Reichsreligion" verstanden werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2008
Mit Hubert Cancik dringt in die römische Religionsgeschichte ein kulturwissenschaftlicher Ansatz, den Stefan Rebenich ausdrücklich begrüßt. Cancik begreift die römische Religion nämlich nicht im ethnischen oder nationalen Kontext, sondern als ein Konglomerat verschiedener "Kulte, Mythen und Theologien", erklärt der Rezensent. Die wichtigsten Aufsätze des Emeritus der klassischen Philologie zur römischen Religion sind jetzt in zwei Sammelbänden nachzulesen, deren gedankliche Schärfe, philologische Präzision und beeindruckende Quellenkenntnis der Rezensent preist. Gleich der erste Aufsatz, eine "Skizze zur 'Römischen Religion', den der Autor für ein italienisches Handbuch verfasst hat und der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, gilt dem ohnehin begeisterten Rebenich als "beste Einführung" in die Thematik.
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