William Trevor

Seitensprung

Erzählungen
Cover: Seitensprung
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2005
ISBN 9783455077797
Gebunden, 237 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. Liebe ist unberechenbar - sie verändert sich, vergeht, wird in der Erinnerung verklärt oder nicht erwidert. Von ihrer allgegenwärtigen Zerbrechlichkeit erzählen viele der hier versammelten Geschichten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2006

Im Großen und Ganzen gefallen Angela Schader die neuen Erzählungen von William Trevor durchaus. Es gelinge dem irischen Schriftsteller, "klug und einfühlsam" ein Panoptikum menschlicher Beziehungen zu beschreiben und diesem "alle Schwärze und alles Licht der comedie humaine abzugewinnen". Obwohl Trevor seine Geschichte mit kleinen Hinweisen in der Gegenwart ansiedelt, hat die Rezensentin das Gefühl, mindestens in die Fünfziger Jahre zurückversetzt zu sein, wenn nicht gar noch früher. Wenn etwa ein Ire nach Amerika aufbricht, um dort sein Glück zu machen, kommt ihr das wie ein "Echo" aus dem 19. Jahrhundert vor. Allerdings findet sie einige Texte zu leichtgewichtig, da fehlen Hintergründe, die Szenerie erweist sich als nicht ausbaufähig oder die Handlung weist zu wenig Tiefe auf. Dieses Problem tritt vor allem dann auf, notiert Schader, wenn es um "reine und noble Seelen" geht, bei derberen Stoffen dagegen verspürt die Rezensentin die erwünschte "Bodenhaftung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.01.2006

Florian Welle zeigt sich von dem Band mit zwölf Erzählungen des irischen Autors William Trevor höchst angetan und preist gleich die erste Geschichte als "literarisches Juwel". Darin leidet eine Frau an den Folgen eines tragischen Ereignisses ihrer Kindheit, denn sie hat den Liebhaber ihrer Mutter durch einen Stoß von der Treppe getötet, wie Welle informiert. Er lobt die "Intensität" und die "psychologische Raffinesse" dieser Erzählung und versichert, dass man sich dem Sog der Geschichte gar nicht entziehen kann. Und auch wenn er nicht allen Texten die gleiche "leise Wucht" attestiert, bekräftigt Welle seine Bewunderung für diesen "souveränen" und stilistisch sicheren "melancholischen Altmeister der irischen Literatur". Dem Rezensenten gefällt besonders, dass Trevor seinen Figuren stets einen "Rest von Geheimnis" lässt und preist Zrevors "virtuose" Wechsel zwischen verschiedenen Erzählebenen und -zeiten.
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