Wilfried N'Sonde

Das Herz der Leopardenkinder

Roman
Cover: Das Herz der Leopardenkinder
Antje Kunstmann Verlag, München 2008
ISBN 9783888975226
Gebunden, 125 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Große. "Wer bist du? Wo kommst du her? Warst du gut in der Schule? Wie ist dein Land?" Ein Roman, der den Erfahrungen einer neuen Generation von Migranten eine literarische Stimme gibt. Zusammengeschlagen und eines Verbrechens angeklagt, an das er sich kaum erinnert, findet sich ein junger Farbiger auf einer Polizeiwache wieder. In der Verlassenheit und tiefsten Erniedrigung einer Gefängniszelle überfällt ihn eine Flut von Erinnerungen: an Mireille und die leidenschaftliche Liebe zu ihr; die hellhäutige Mireille, die ihn verlassen hat, an Kamel, der zum Fanatiker geworden ist. Und immer wieder werden die Stimmen der Ahnen lebendig, die ein Afrika beschwören, das für die an der Bruchlinie zweier Kulturen aufgewachsenen "Leopardenkinder" nur noch ein ferner Mythos ist. Wilfried N'Sonde erzählt von einer zärtlichen, verzweifelten Liebe und gibt zugleich der Geschichte und den Problemen seiner Generation eine neue Stimme.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2008

Hans-Peter Kunisch hat sich von Wilfried N'Sondes Debütroman "Das Herz der Leopardenkinder" beeindrucken lassen, der schon bei Erscheinen im französischen Original mit zwei Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. N'Sonde, der mit fünf Jahren aus dem kongolesischen Brazzaville nach Paris kam und heute in Berlin lebt, hat laut Kunisch eine "heimtückische" Geschichte geschrieben, denn er führt seine Leser erst einmal in die Irre. Ein junger Schwarzer findet sich in einer Pariser Arrestzelle wieder, und während sich der Leser zunächst ganz auf seine Seite schlägt, wird im Lauf des Romans klar, dass dieser im "rotzig-poetischen Ton" monologisierender junge Mann wohl betrunken und bekifft einen Polizisten ermordet hat. Der Ich-Erzähler hat, während er verhört wird, Visionen von einem Ahnen, der ihm ebenfalls ins Gewissen redet, und hier hat der begeisterte Kunisch überzeugende und wirkmächtige Passagen gefunden. Man hat diesen Roman als Reaktion auf die Konflikte der Immigranten-Ghettos von Paris verstanden, aber genauso ist es die Geschichte einer problematisch gewordenen Identität zwischen zwei Kulturen, so Kunisch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.10.2008

"Seine Erzählweise fesselt vom ersten Satz" schreibt Rezensentin Christiane Grefe über den Debütroman des seit fast zwanzig Jahren in Berlin lebenden französisch-kongolesischen Autors. Ihren Informationen zufolge geht es um einen jungen Afrikaner, der sich eines Tages "verstört, zornig und noch benommen vom Kiffen und Trinken" auf einer Polizeiwache wiederfindet und in dem durch das Verhalten des Kommissars bald die Ahnung aufsteigt, etwas Schreckliches getan zu haben. In einem inneren Monolog suche er nun nach Erklärungen und im Verlauf stiegen Bilder und Figuren aus der Vergangenheit in ihm auf, begegne er seinen Ahnen im Kongo ebenso wie anderen "Leopardenkindern": Kindern von Emigranten aus den Vorstädten nämlich - in ihrer Identität ähnlich zerrissen wie Wilfried N?Sondes Protagonist. Der Roman erzähle von den Spannungen zwischen Emigrantengruppen. Aber auch von der neuen Kultur, die aus dem Gemisch entsteht. Zu allererst jedoch sei es eine "alle Grenzen sprengende, glühend romantische Liebesgeschichte". Die Rezensentin schwärmt von einer "dichten, rhythmischen und bildreichen Sprache". In Frankreich habe man diesen Autor bereits mit Rimbaud oder Celine verglichen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2008

Als literarische Sensation stellt uns Hans-Christoph Buch den seit sechzehn Jahren in Berlin ansässigen kongolesischen Autor Wilfried N'Sonde vor, der mit seinem nun auch auf Deutsch vorliegenden Romandebüt auf Anhieb den Großen Preis der Frankophonie und den Senghor-Preis für Literatur gewann. Der Roman ist der Monolog eines jungen Schwarzen, der sich betrunken in einer Pariser Polizeizelle wiederfindet, weil er im Rausch einen Polizisten getötet hat. Der Rezensent ist beeindruckt von der "schonungslosen Radikalität", mit der der Held nicht nur auf die Kindheit in der Republik Kongo unter einem brutalen, sozialistischen Militärregime, sondern auch auf sein Leben in der Pariser Vorstadt zurückblickt. Allerdings vermutet Buch, dass ein Teil des überwältigenden Erfolgs dieses Romans auf dem "Missverständnis" beruht, der Autor habe hier die Jugendrevolten der Pariser Ghettos der jüngsten Zeit verarbeitet. Als große Stärken des 1968 in Brazzaville geborenen und in Paris aufgewachsenen Autors streicht der Rezensent "Stilsicherheit" und ein mitreißendes Erzählen heraus, dazu kommt ein Händchen für die einfache Darstellung "komplexer Sachverhalte", wie Buch hervorhebt. Und auch die Übersetzung ins Deutsche durch Brigitte Große lässt sein Rezensentenherz höher schlagen, denn die preist er als "kongenial".
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