Aus dem Französischen von André Hansen. Der große Bruder fährt mit seinem Taxi durch die Straßen von Paris, der kleine Bruder arbeitet als Assistenzarzt in einer Klinik. Sie sind jung und haben das Leben vor sich. Während der Große in die Fußstapfen des Vaters tritt, taucht der Kleine eines Tages in Syrien ab und gerät in die Fänge des Dschihad. Bis er plötzlich, nach Jahren des Schweigens, wieder vor der Tür steht. Wo fängt Radikalisierung an, wo hört Bruderliebe auf? Ein mutiges Debüt über Liebe und Varrat, Glaube und Hoffnung, das in den Kern unserer Zeit hinein zoomt. Erzählt in einem Sound, der schlichtweg süchtig macht.
Sehr zitatreich resümiert Dirk Fuhrig Mahir Guvens mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Debütroman "Zwei Brüder", den der Kritiker allerdings mit Gewinn gelesen hat. Erzählt wird die Geschichte einer syrisch-französischen Familie, die in der Pariser Banlieue lebt, wo der atheistische, politisch linke Vater und sein ältester Sohn als Taxifahrer arbeiten, während der Jüngere nicht als Mitläufer, sondern sehr bewusst als Islamist nach Syrien geht. Besonders spannend wird es für den Rezensenten, wenn der Jüngere vorgeblich geläutert nach Paris zurückkehrt, wo ihn der Ältere an die Terrorabwehr verrät. Wie Guven mit viel Einfühlungsvermögen und äußerster Präzision in die Lebenswirklichkeit von Migranten in Frankreich und in das Innenleben eines Dschihadisten einführt, hat den Kritiker beeindruckt. Mit der Übersetzung von André Hansen, der den "frischen, respektlosen" und oft im Jargon gehaltenen Sound des Romans ins Deutsche überträgt, ist Fuhrig ebenfalls zufrieden.
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