Werner Fuld

Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens

Cover: Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2014
ISBN 9783869710983
Gebunden, 544 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Schon immer wurde erotische Literatur hauptsächlich für Frauen geschrieben. Lange vor der Aufklärung prägten schreibende Frauen die französische Salonkultur und gaben mit freizügigen Themen den Ton an. Von ihnen lernten Autoren wie Crébillon und Voltaire, dessen Jungfrau von Orléans dann für einen handfesten Skandal sorgte. Erst nach der Französischen Revolution bekamen bürgerliche Moral und die christlich puritanischen Tugenden wieder die Oberhand, die freizügigen Werke verschwanden europaweit aus den Regalen - und ihre Autorinnen aus dem kulturellen Gedächtnis. Sinnliche Literatur wurde zur Bückware und büßte ihre emanzipatorische Kraft ein. Erst seit Kurzem haben Frauen dieses Feld wieder neu für sich entdeckt. Werner Fuld zeigt auf seiner Spurensuche erstmals das gesamte Spektrum sinnenfroher Schreibkunst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2015

Oliver Jungen hat offenbar mit einigem Erkenntnisgewinn Werner Fulds Geschichte der erotischen Literatur gelesen, dem Leser seiner Kritik bietet er in Form von Schlaglichtern eine Kurzfassung derselben. Von Ovids "Ars amatoria" führe Fuld, selbst Kritiker, bis zur Chicklit à la "Shades of Grey", so der Rezensent, wobei Fuld nicht immer streng der Chronologie folge. Eine Motivation des Autors liegt laut Jungen darin, "zur Wiederentdeckung der vormodernen Sinnenfreundinnen" zu animieren, weshalb er vor allem Autorinnen in den Fokus nehme. Für streitbar hält der Rezensent Fulds Unterscheidung zwischen guter und schlechter Erotik im Sinne von befreiender und unterdrückerischer, manche These scheint ihm arg "stramm". Die Stärke der Studie liegt für Jungen vielmehr in den Betrachtungen einzelner Werke, "die kenntnisreich auf die Mentalitätsgeschichte bezogen werden".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2015

Überraschend leichthändig geschriebene 500 Seiten kann Rezensent Ludger Lütkehaus mit Werner Fulds "Geschichte des sinnlichen Schreibens" annoncieren. Fulds aus anderen Werken bereits bekannte Mischung aus dem Blick für das Verbotene und historischer Genauigkeit überzeugt den Kritiker auch in diesem aufwändig recherchierten Buch, das die nicht ohne Ironie vorgetragene These, erotische Literatur sei Frauensache ausführt. Beglückt liest Lütkehaus die ebenso "sinnlich" wie intellektuell geschriebene Analyse Fulds, die in ihrer wenig empfindlichen Erotik bestechender erscheint, als die mitgelieferten "pornografischen Miniaturen". Und so begleitet der hingerissene Kritiker den Autor von der "gottesgeilen" Mechthild durch die französische Aufklärung bis ins antiviktorianische 19. Jahrhundert und verzeiht nach dieser ebenso befreiende wie brillanten Lektüre auch gern, dass Hinweise auf Werke der Gegenwart, etwa von Michel Houellebecq oder Charlotte Roche, zu kurz kommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.11.2014

Deutsche Autoren können einfach keine erotische Literatur, erfährt Sven Hanuschek aus Werner Fulds "Geschichte des sinnlichen Schreibens", aber zum Glück gibt es ja noch die Italiener, Engländer, Franzosen. Beziehungsweise Französinnen, denn erotische Literatur ist nicht nur meistens für Frauen geschrieben, sondern oft auch von Frauen, berichtet der Rezensent. Angeregt und amüsiert hat er diesen Band gelesen, der wegen zahlreicher Zitate und Nacherzählungen "streckenweise fast Lesebuchcharakter" hat. Gelernt hat Hanuschek natürlich auch allerhand, Interessantes, Absurdes - zum Beispiel dass es Frauen bis 2013 in Frankreich gesetzlich verboten war, in der Öffentlichkeit Hosen zu tragen -, und "auch für Ehrenrettungen ist Platz", etwa von Casanova, den Fuld als gebildeten Gentleman rehabilitiert.
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