Werner Fuld

Das Buch der verbotenen Bücher

Universalgeschichte des Verfolgten und Verfemten von der Antike bis heute
Cover: Das Buch der verbotenen Bücher
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2012
ISBN 9783869710433
Gebunden, 352 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Gibt die Nachwelt jedem verbotenen Buch die ihm gebührende Würde zurück, wie Tacitus angesichts einer Bücherverbrennung vor 2000 Jahren prophezeite? Oder lassen die Flammen gar manche Schrift erst in hellem Licht erstrahlen, die sonst im Dunkeln geblieben wäre? Ovid wurde von Kaiser Augustus im Jahre 13 nach Chr. verbannt, auf dem Vatikanischen Index fanden sich zwar Kant und Gregorovius, nie jedoch Hitler, Lenin oder Marx. Mit ihnen befasst sich Fuld ebenso wie mit erotischer und ketzerischer Literatur, mit den Schwarzen Listen unter den Nazis, in der DDR und natürlich auch in der BRD, wo Texte als "staatsgefährdende Schriften" verboten wurden, die als kommunistisch eingestuft wurden oder Kritik an der Bundesregierung oder den Alliierten übten. Noch heute werden hierzulande im Schnitt jährlich 300 Bücher verboten, 1995 etwa Bret Easton Ellis' Weltbestseller "American Psycho", der erst 2001, nach mehreren Gerichtsverfahren, freigegeben wurde. Fast alle großen Klassiker, von wie Goethes "Werther" über Flauberts "Bovary" über Proust bis Joyces "Ulysses" oder Nabokovs "Lolita", haben zum Teil turbulente Verbotsgeschichten aufzuweisen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2012

Mit einer Universalgeschichte der verbotenen Bücher hat sich Werner Fuld enorm was vorgenommen, staunt Rezensent Klaus Harpprecht, und merkt sogleich an, dass der Titel des Buches ein milder Fall von "Etiquettenschwindel" sei: Einen Universalitätsanspruch erfülle Fuld nicht, könne er gar nicht erfüllen, viel zu groß sei schließlich das zu bestellende Feld. Was den Rezensenten allerdings nicht davon abhält, im Folgenden lauter Versäumnisse Fulds aufzulisten: Hitler habe sich nichts aus Astronomie gemacht, im besetzten Frankreich habe Camus von der Zensur unbehelligt seine bedeutendsten Bücher veröffentlichen dürfen, und der unter anderem von der CIA finanzierte "Congress for Cultural Freedom" - dem auch der Rezensent angehört, wie er bekennt - sei keine "Propagandatruppe" gewesen. So fällt Harpprechts Fazit ernüchtert aus: Fuld habe sich mit diesem Projekt "schlichtweg überhoben".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2012

Mit einem expliziten Urteil hält sich Rezensent Jan Grossarth zwar zurück, doch er scheint einige Erkenntnisse aus Werner Fuld "Buch der verbotenen Bücher" gezogen zu haben und so lesen wir sein Resümee mal als Empfehlung. Gelernt hat er unter anderem, dass die Reformatoren Calvin und Luther ebenso Bücher verbrennen ließen wie zuvor der Vatikan und später die Gegenreformatoren, dass Nationalsozialismus und Kommunismus meist die gleichen Bücher verboten und dass selbst die harmlosesten Publikationen von moralischen Sittenwächtern ins Visier genommen wurden: in Deutschland die Tarzan-Hefte, in den USA die "Harry-Potter"-Romane. Vor allem aber hat er gelernt, dass das, was einmal brannte, um so länger scheint. Pascal, Rousseau, Heine und Balzac zum Beispiel.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2012

Werner Fulds Geschichte der verbotenen Bücher von der Antike bis in die Gegenwart weist neben der Sammellust und der Freude an Anekdoten ein detailliertes Sach- und Personenregister auf, weshalb es sich dem Rezensenten Jörg Magenau auch als nützliches Nachschlagewerk empfiehlt. Allerdings machen diese Charakteristika das Buch mitunter etwas unübersichtlich und auch als chronologische historische Studie lässt es sich nicht leicht verwenden, weil Fuld gern überraschende Parallelen zieht. Hier liegt aber auch eine Stärke dieses Bandes, weil sich so "überraschende Berührungen" ergeben, so der Rezensent anerkennend. Wenn der Autor von der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933 in die USA schwenkt, wo man sich einerseits gegen die "deutsche Barbarei" wendet, andererseits aber mancherorts die gleichen Bücher von Hemingway oder Dos Passos verbrannt werden, findet Magenau das sehr erhellend. Vermisst hat er anscheinend grundsätzliche Überlegungen über Bücherverbote, und ihm ist aufgefallen, dass Fuld sich zwar eigentlich gegen "Verbote aller Art" stellt, im Einzelfall aber Verbote durchaus für gerechtfertigt hält. Etwas mehr kühle Distanz hätte sich Magenau wohl auch gewünscht: insbesondere beim Thema Zensur in der DDR. Hier verliere der Autor die Selbstbeherrschung. Die Behauptung, die veröffentlichte DDR-Literatur sei samt und sonders wertlos, findet der Rezensent ziemlich haltlos und untergräbt auch das Verdienst des insgesamt in seinen Augen "nützlichen" Buches.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2012

Für Ludger Lütkehaus ist diese Geschichte der verbotenen Bücher eine verdienstvolle Sache. Der umfangreich gebildete Autor, seine Rechercheleistung und sein unterhaltsamer Stil haben ihn bei der Stange gehalten, obgleich der Band sein Thema immerhin von der Antike über den Stalinismus und den McCarthyismus bis zur Gegenwart behandelt und Zensur und Verbotsfälle von Flaubert bis Rushdie detailliert untersucht. Kein Horrorszenario bleibt dem Rezensenten erspart. Umso mehr wundert er sich über die positive Bilanz, die Werner Fuld zieht: Noch jedes verbotene Buch oder Manuskript habe schließlich seine Leser gefunden. Für Lütkehaus allzu optimistisch, denn: Was wir niemals lesen durften, darüber können wir auch nicht schreiben.