Würde und Rechte des Menschen: Mit diesen Begriffen bezeichnen wir das Verhältnis, aufgrund dessen sich die menschlichen von allen nichtmenschlichen Wesen unterscheiden. An der vernünftigen Verständigung über die Bedingungen der Aufrechterhaltung dieses Verhältnisses entscheiden sich die Konsistenz unserer Rechtssysteme, die interkulturelle Vermittelbarkeit unterschiedlicher Vorstellungen von Humanität und die Möglichkeiten des Brückenschlages zwischen Ethik und Politik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2002
Michael Pawlik sieht in Walter Schweidlers Erörterungen über das "Unantastbare" eine größtenteils gelungene Entgegnung auf technokratische Sichtweisen der Menschenrechte, wie sie seiner Meinung nach heutzutage Konjunktur haben. Schweidler vertritt einen Ansatz, in dem der "biografischen Einzigartigkeit" eines jeden menschlichen Lebens Rechnung getragen werde, d.h. es geht um die Freiheit, unter Respektierung anderer Lebensentwürfe, den eigenen zu finden, erläutert der Rezensent. Dabei wende sich Schweidler gegen ein Authentizitätsverständnis, das die Erfülltheit eines Lebens an der Zahl der möglichen Handlungsoptionen misst. Selbstbestimmung heiße immer auch Selbstbeschränkung. Aber auch Schweidler kriegt die Nuss im Baum der Erkenntnisse über Möglichkeiten und Einschränkungen individueller Freiheiten nicht vollständig geknackt, gesteht Pawlik. Für ihn bleibt die Frage ungelöst, wie der Status der Allerschwächsten, der konstitutionell Handlungsunfähigen aussieht. Seiner Meinung nach hat Schweidler davor zurückgescheut, auf den "Gedanken der Geschöpflichkeit des Menschen" - und damit auf die religiöse Ethik - zurückzugreifen.
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