Walter Schübler

Nestroy

Eine Biografie in 30 Szenen
Residenz Verlag, Salzburg 2001
ISBN 9783701712274
Gebunden, 300 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

"So ehrt man einen verstorbenen Erzbischof, aber keinen lebendigen Mimerer", empörte sich Johann Nestroy im Januar 1861. Eine ihn pomphaft beweihräuchernde Darstellung seiner Karriere hatte den Zorn des sechzigjährigen erregt. Wie ehrt man also einen frech outrierenden Mimen? Lebendig, versteht sich, ohne goldenen Rahmen und nicht unter Glas, kurz: indem man ihm Spielraum läßt, auch posthum. Den räumen ihm diese biografischen Annäherungen ein, die keine konventionelle "Von-der-Wiege-bis-zur-Bahre"-Darstellung sind, sondern ein Reigen von thematisch und um zentrale Ereignisse inszenierten Geschichten: von Nestroys Spielleidenschaft, seinen Amouren, seiner unheimlichen Bühnenpräsenz über die Kämpfe mit der Zensur, seine "sittenwidrigen" Extempores bis hin zu den beinah handgreiflichen Konflikten mit Kritikern und Publikum und seiner Haltung zur Revolution von 1848.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2002

Zum 200. Geburtstag des 1862 verstorbenen Dichters Johann Nepomuk Nestroy im letzten Dezember sind, spöttelt Paul Jandl, die "österreichischen Devotionalien in Stellung gebracht worden" und eine ganze Reihe von Büchern entstanden, die dem Autor, findet der Rezensent, leider kaum gerecht werden und eher zu "peinlichen Ehrungen" geführt haben. Drei dieser Hommagen hat Jandl näher beleuchtet, von denen er einzig Wendelin Schmidt-Denglers Monografie "Nestroy. Die Launen des Glücks" ein kleines Lob spendet.
Walter Schübler hat, aus Mangel an biografischen Informationen, versucht, Nestroy aus der Sicht seiner Zeitgenossen zu beschreiben, berichtet der Rezensent. Seine Nestroy-Biografie sei zwar "quellenreich", erkennt Jandl an, aber trotzdem nicht besonders auskunftsstark, zumal sich viele Äußerungen wiederholten. Und so sei das Resultat einer biografischen Annäherung eher bescheiden, der Zugriff auf den Dramatiker bleibe vage. Und noch etwas stört den Rezensenten: Die philosophische Brillanz des Dichters, mit der er seine Zeitgenossen ebenso provozierte wie irritierte, könne durch eben jenen Rückgriff auf ihr Verständnis der Werke Nestroys nicht erfasst werden. Diese Vorgehensweise des Biografen entschärfe leider das hohe und brisante Niveau, auf dem sich der Dramatiker bewegte, denkt Jandl.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001

So deutlich wie in dieser Biografie von Walter Schübler kann uns Johann Nestroy, "Star des Wiener Theaters", in keinem anderen modernen Medium begegnen, jauchzt Burckhard Müller, der diese ungewöhnliche Biografie gar nicht genug würdigen kann. Denn sie enthält eine Besonderheit, die dem Dichter, der im Dezember 200 Jahre alt geworden wäre, in all seiner Ausruckskraft mehr als gerecht wird, lobt der Rezensent. Die Biografie ist keine im engeren Sinne, hier wird nicht chronologisch erzählt, sondern der Autor und seine Weggefährten kommen selbst zu Wort, und zwar gruppiert nach Themen, berichtet Müller. Und für dieses Konzept habe Schübler einen guten Riecher bewiesen, denn es sei eine hohe Kunst, einen Autor wie Nestroy mit den passenden Textstellen scharf zu porträtieren. Das ist, freut sich Müller, Schübler voll und ganz gelungen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de