Walter Jens legt - Poesie und Wissenschaft, Literatur und Geschichte miteinander verbindend - Essays über Fontane, den Meister der Erzählkunst und Gesellschaftskritik, vor. Ob Walter Jens seiner Bewunderung für Fontanes Variationskraft der Sprache, für seine Kunst der Andeutung und des Verschweigens Ausdruck verleiht, den Briefschreiber Fontane im Austausch mit seiner Frau Emilie ins Blickfeld rückt, eine imaginäre Predigt über den "ernsten Christenmenschen" hält oder in einem glanzvollen Text Zeugnis ablegt über die Shakespeare-Verehrung des Dichters - die Schlaglichter, die er auf Fontanes menschlichen, künstlerischen und moralischen Kosmos wirft, sind ein Stück persönliche Rezeptionsgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2000
In den fünf Essays des Tübinger Rhetorikprofessors ist über Fontanes Redekunst nachzulesen. Selten habe der Leser die Möglichkeit "Dialogduelle" solcher Eleganz wie auf Fontanes "Fechtboden" zu erleben - Rezensent Rolf-Bernhard Essig gibt sich fasziniert von den Regeln der schönen Sprechens, die vom "Meister der Mark Brandenburg" aufgestellt und auf dem gesellschaftlichen Parkett angewandt wurden. Da wären "Sprachdisziplin", und "Witz", "helles Mitdenken" und Flexibilität gegenüber dem Gesprächspartner, um einige zu nenen. Der Autor von "Effi Briest" sei zugegenbenermaßen manchmal konservativ aufgetreten. Der Genuss dieses "Büchleins" wäre dennoch perfekt, so Rezensent Essig, würde sich Großmeister Jens in seinen Essays über Fontane hier und da bescheidener geben. Das Fazit fällt dennoch positiv aus: Vergnüglicher "Gesprächsstoff" für die nächste langweilige "Party".
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